Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Einheit der Erkenntnis.

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als ebensoviele Entfaltungen und Verzweigungen dieses einen
Grundstammes gedacht und bezeichnet. Die analytische Geometrie,
 die am Anfang seiner Entdeckungen steht und die für sie
alle die dauernde Voraussetzung bleibt, ist ihm nicht anderes, als
die „spontane Frucht der eingeborenen Prinzipien der Methode“.®)
Diese Beziehung zu begreifen und sie bis in ihre konkreten
Entwicklungen in der Grundlegung der Mechanik und der
speziellen Physik zu verfolgen, bildet das erste Erfordernis für
das geschichtliche und sachliche Verständnis des Cartesischen
Systems der Philosophie.)

[. Die Einheit der Erkenntnis.
Das methodische Erstlingswerk Descartes’, das sein metho-Jisches
 Hauptwerk geblieben ist, beginnt mit einem charakteristischen
 Bilde, in‘ dem die historische Eigenart der neuen Denkart
 sich widerspiegelt. Alle Wissenschaften insgesamt sind nichts
Anderes, als die Eine menschliche Weisheit, die immer dieselbe
bleibt, auf wie verschiedene Objekte sie auch angewandt werden
mag, und die von den Gegenständen so wenig eine innere Veränderung
 erfährt, wie das Licht der Sonne von den vielerlei
Dingen, die es erleuchtet. Dieses Gleichnis, das Descartes. von
Plotin entlehnt, hat in der neueren Philosophie eine selbständige
Geschichte. In der Naturphilosophie und insbesondere bei Giordano
 Bruno dient es regelmässig dazu, die „Teilhabe“ des Einzelnen
 am Absoluten zu bezeichnen; zu verdeutlichen, wie das
All-Eine, trotz der mannigfachen Formen und Gestalten, in denen
es sich spiegelt, dennoch in steter unwandelbarer Identität beharrt.
 (S. ob. S. 356.) Entgegen der Vereinzelung und Zersplitterung,
 in der sich das Universum den Sinnen darstellt, wird hier
der Gedanke einer in all ihren Aeusserungen gemeinsamen Grundkraft
 festgehalten, die sich der reinen Vernunftanschauung
unmittelbar erschliesst. So bezeichnet denn schon hier das Bild
den Fortschritt zu einer höheren gedanklichen Synthese, zu einer
neuen „intelligiblen“ Auffassung des Alls. Und dennoch bleibt
diese Wendung noch völlig ausserhalb des Gesichtskreises, den
Descartes. von seinen ersten Schritten an. für das Problem be-
            
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