Kritik der Cartesischen Methodenlehre.
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gefallen. (S. ob. S. 292, 314.) In die willkürlich e physikalische
Hypothesenbildung ist er nur dadurch verstrickt worden,
dass er trotz allen fruchtbaren Ansätzen das Recht und die Unentbehrlichkeit
der echten Hypothesen nicht dauernd festzuhalten
und zu verteidigen vermochte. Das allein ist der falsche
‚Apriorismus‘“, der eine unmittelbare Deckung zwischen den
rationalen Grundlagen und der wirklichen, sinnlich gegebenen
Erfahrung behauptet und anstrebt. Für die echte idealistische
Auffassung bleibt — so befremdend dies klingen mag — ein
Abstand zwischen „Wahrheit“ und „Wirklichkeit“ dauernd bestechen:
eine Entfernung, die zwar beständig verringert, auf
keiuer gegebenen Einzelstufe der Erfahrung dagegen völlig zum
Verschwinden gebracht werden kann. Die Kraft des idealistischen
Grundgedankens bewährt sich gerade darin, dass er sich durch
diesen notwendigen Abstand an der Gültigkeit der reinen, begrifflichen
Voraussetzungen nicht irre machen lässt. Wo dagegen
die volle Identität zwischen Begriff und Sein behauptet
wird, da befinden wir uns bereits im Bannkreis der Metaphysik,
die die Aufgabe, die allem Wissen gestellt ist, vorwegnimmt.
Aber freilich können wir es jetzt innerlich verstehen, dass
Descartes sich zuletzt zu dieser metaphysischen Fragestellung
hingedrängt fühlte. Ihm war es nicht, wie Galilei und Kepler,
vor allem um die exakte Erforschung‘ eines Sondergebietes der
Wirklichkeit zu tun; es ist der Begriff der Wirklichkeit
selbst, der ihn bewegt und der über das Schicksal der Wissenschaft
zu entscheiden scheint. Sollten die reinen, mathemalischen
und physikalischen Gesetze, die die Deduktion ergibt, bei
all ihrer „Notwendigkeit“ dennoch blosse Beziehungen bleiben,
von denen wir niemals mit Sicherheit bestimmen können, ob
ihnen ein Sein in der Well der Tatsachen entspricht? Erscheint
damit nicht alle Arbeit des Denkens schliesslich vergebens und
grundlos? Die Logik und Methodik der Gesetze — wir müssen
es zulelzt einsehen — verhbürgt uns nicht die Existenz der Dinge.
So muss denn eine andere Richtung der Betrachtung eintreten
und ein neuer Weg gewiesen werden, der uns zu diesem Problem
hinführt. Wiederum vollzieht sich der Uebergang unmerklich
und mit gedanklicher Notwendigkeit. Und es bleibt das Einzigartige
und Charakteristische der Cartesischen Metaphysik, dass