Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Analyse des Dingbegriffs. 
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zwischen Empfindung und Gegenstand zu fordern ist, ist nicht 
diese stoffliche Uebereinstimmung, sondern eine derartige funktio- 
nale Wechselbedingtheit, dass jeder Veränderung des objektiven 
Inhalts eine Differenz der Wahrnehmung entspricht, Wie die Me- 
thode die physischen Körper sämtlich auf die einzige Bestimmung 
der Ausdehnung zurückbezog, nicht um ihre sonstigen qualitativen 
Eigentümlichkeiten zu leugnen, sondern um sie in reinen Unter- 
schieden von Grössen symbolisch darstellbar zu machen: so 
[ragen wir jetzt zunächst noch nicht, wie das wirkliche Sein der 
Körper mit dem Sein der Empfindungen in uns zusammenhängt, 
sondern begnügen uns mit der wechselseitigen harmonischen Be- 
ziehung und eindeutigen Entsprechung beider Momente. Wie 
eine perspektivische Zeichnung alle Eigentümlichkeiten des 
Objekts, das sie darstellt, nur um so schärfer und genauer 
wiederzugeben vermag, weil sie darauf verzichtet, das Original 
in all seinen konkreten Beschaffenheiten und Dimensionen dar- 
zustellen — so ist auch die Zeichensprache der Wahrnehmung 
dadurch nur um so vollkommener, dass sie die Dinge nicht ihrem 
ganzen materialen Gehalt nach nachzuahmen, sondern nur all 
ihre Verhältnisse analogisch auszudrücken trachtet.?®) Damit ist 
die scholastische Wahrnehmungstheorie, die wir, in mannigfachen 
Umformungen und Verkleidungen, noch überall in den Anfän- 
gen der neueren Philosophie herrschend fanden, im Prinzip über- 
wunden. Wie stark und eindringend ihre Nachwirkung auch 
zu den Zeiten Descartes’ noch war, kann man sich an einem so 
modernen Denker wie Gassendi vergegenwärtigen. Dieser er- 
nebt gegen den Cartesischen Ausgangspunkt vom Selbstbewusst- 
sein den bezeichnenden Einwand, dass wir von unserm eigenen 
Sein keine wahrhafte Erkenntnis besitzen: denn die Bedingung 
zu jeder Erkenntnis ist, dass ein Ding von aussen her auf unser 
geistiges Vermögen einwirkt und in ihm ein bestimmtes Abbild, 
eine „Spezies“ seiner selbst, bewirkt und zurücklässt.**) Der 
Grundmangel dieser Auffassung besteht darin, dass sie eine 
metaphysische Annahme, ein reales Wechselverhältnis zwischen 
dem Geist und den Dingen, dogmatisch an den Anfang stellt, 
um von ihr aus den Akt des Erkennens zu erklären: während 
Descartes’ Grundtendenz darauf gerichtet ist, von der klaren und 
deutlichen „Idee“ aus, die ihm das unmittelbar Gewisse ist. zu 
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