Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Das Objekt und die Urteilsfunktion. 
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Eindrücke zurückbleiben; sie müssen auch mit allen übrigen In- 
halten in Beziehung gesetzt und ihrer zeitlichen Stellung und 
Ordnung nach mit ihnen verglichen werden. Nicht nur der ma- 
teriale Gehalt einer Vorstellung muss aufbewahrt, auch der Zeit- 
punkt ihrer Entstehung muss bestimmt und festgehalten werden, 
damit wir von „Erinnerung“ an frühere Vorstellungsbilder spre- 
chen können; dies aber setzt eine Unterscheidung der neu 
hinzukommenden Inhalte von den zuvor gegebenen voraus, die 
nur das Werk des Intellekts sein kann.%) Deutlich zeigt sich 
hier das Verfahren, das Descartes gegenüher den sensualistischen 
Einwänden durchgehend befolgt und das in der Tat allein radi- 
kal und entscheidend ist: wie zuvor in der direkten Sinnes- 
smpfindung, so wird jetzt in dem Vermögen des „Gedächtnisses“ 
ain Faktor ausgesondert und blossgelegt, der auf einer reinen Ein- 
heitsbeziehung des Denkens beruht. Weder unsere Einbildungs- 
kraft, noch unsere Sinne können uns — wie der Discours de la 
methode ausspricht — jemals irgend einer Sache versichern, wenn 
nicht unser Verstand mit ihnen zusammenwirkt. Das Urteil 
allein erschaflt und verbürgt die gegenständliche Existenz, die 
lie naive und populäre Ansicht in der blossen Empfindung un- 
mittelbar enthalten glaubt.) 
So notwendig dies Ergebnis aus den ersten methodischen 
Voraussetzungen fliesst, so enthält es dennoch eine eigentümliche 
Paradoxie, wenn wir es mit dem Ausgangspunkt unseres Problems 
zusammenhalten. Einer unabhängigen Existenz wollten wir uns 
versichern: die Antwort aber, die wir erhalten haben, scheint nur 
der Frage zu spotten. Was wir die gegenständliche Wirklichkeit 
eines Empfindungskomplexes nennen, das hat sich der tieferen 
Analyse als ein Akt des Geistes enthüllt. Aus dem Bereich und 
Umkreis, den das „Cogito“ zieht, gibt es keinen Ausweg: der Weg, 
der uns am sichersten über die Grenzen des Ich hinauszuführen 
schien, hat uns in Wahrheit wiederum in den eigensten Mittelpunkt 
des Bewusstseins zurückgeleitet. Wieder scheint somit alle Wahr- 
heit, die das Denken für sich erringen kann, zu einer blossen 
gesetzmässigen. Selbsttäuschung herabzusinken, zu einer Setzung 
les Begriffs, der keine äussere Wirklichkeit entspricht. 
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