Zweites Kapitel.
Das Kriterium der klaren und deutlichen
Perception und die Fortbildung der
Cartesischen Philosophie.
Die Philosophie Descartes’ beginnt mit der Frage nach der
Geltung und den Grenzen unserer Erkenntnis; sie endet mit den
Problemen . von Seele und Gott. Dieser Gegensatz zweier Be-
trachtungsweisen ist es, der auch der Fortbildung des Cartesianis-
mus bei den nächsten Schülern und Nachfolgern das charakte-
ristische Gepräge gibt. Der Dualismus der geistigen und körper-
lichen Substanz erscheint äusserlich als dasjenige Problem, das
in der Weiterbildung des Systems zunächst zu bewältigen ist:
aber hinter diesem metaphysischen Dualismus verbirgt sich ein
weiter zurückgehender und tiefer reichender methodischer
Widerstreit. Von der Frage nach der Existenz und Natur der
Seele, nach ihrem Verhältnis zur Körperwelt und zur allumfassen-
den göttlichen Substanz sieht sich die Betrachtung immer wieder
auf die erneute Untersuchung des grundlegenden Kriteriums
der Erkenntnis zurückgewiesen. In all den bekannten Wen-
dungen und Wandlungen des Substanzbegriffs — von der Theorie
der Gelegenheitsursachen bis zur prästabilierten Harmonie hin —
spiegelt sich zugleich ein immanenter logischer Entwicklungs-
prozess wieder. Geht man von den Ergebnissen zu den philo-
sophischen Gründen und Motiven zurück, so stellt sich die
"nnere Fortbildung des Cartesianismus in den einzeinen Phasen