Full text: Tonkunst, Bildende Kunst, Dichtung, Weltanschauung (E,1.1902)

Dichtung. 
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Terminologie der Dinge, eigentlich nur das Drama übrig. Das 
ist der Zusammenhang, der es begreiflich macht, daß einer der 
bedeutendsten Dramatiker der neuen Litteratur gerade von Holz 
und Schlaf lernen konnte: Gerhart Hauptmann hat sein erstes 
Drama dem pseudonymen Holmsen zugeeignet „in freudiger An— 
erkennung der durch sein Buch empfangenen entscheidenden An— 
regung“ (Sommer 1889). 
Auf dem Gebiete der Kunsterzählung selbst aber wurde 
eine andere Seite der Lehre Holzens, die Forderung strengster 
Objektivität, wenige Jahre später am besten, weil thatsächlich 
ad absurdum geführt durch den eigenen Mitarbeiter an „Papa 
Hamlet“, durch Johannes Schlaf. Im Jahre 1892 erschienen 
Schlafs Skizzen „In Dingsda“. Es sind Darstellungen aus 
dem Leben eines kleinen Ortes, ganz im Sekundenstil, ganz 
physiologisch-⸗impressionistisch. Aber dennoch schmeckt durch diese 
Skizzen überall etwas Besonderes durch, das sie zusammenhält 
und für Viele gewiß auch erst genießbar gemacht hat: die 
träumerische, weiche Persönlichkeit des Verfassers. Und so 
sind wir hier im Grunde nicht mehr auf naturalistischem Boden: 
die Stimmung schlägt hervor, und in Wahrheit erscheint schon 
ein primitiver Idealismus. 
Es ist der Weg, in den allmählich alle Pfade des physio— 
logischen Impressionismus gemündet sind. 
Sehr falsch aber wäre die Ansicht, daß mit dem Ver⸗ 
schwinden des impressionistischen Naturalismus als Kunstform 
nun auch die Wirkungen aufgehoben worden seien, die im ein⸗ 
zelnen von ihm ausgingen. Im Gegenteil. Die Errungen— 
schaften und Anregungen, die aus dieser Bewegung der 
kommenden Kunst vermittelt wurden, waren ebenso zahlreich 
wie wertvoll. Beseitigt war jetzt vor allem die oft so ver— 
logene und namentlich von falscher Sentimentalität durchseuchte 
Form der alten Kunsterzählung. Verschwunden war weiterhin 
das geschwollene Papierdeutsch und statt dessen das gesprochene 
lebendige Wort eingeführt; Anakoluthe waren bei längeren 
Perioden häufiger geworden und erzielten nicht selten ge— 
waltige Wirkungen; ganz allgemein verlief die Erzählung in 
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