Die Aufhebung der „absoluten Materie“. 479
an zurück. Denn das „Sein“ des Stoffes fällt ihr mit derjenigen
Grundeigenschaft zusammen, aus der alle seine möglichen Be-
sonderungen und Eigentümlichkeiten sich ableiten lassen. Jeder
Gedanke, der hierüber hinausgeht, ist zum mindesten völlig un-
fruchtbar und kann nicht mehr als ein leeres Spiel der Ein-
bildungskraft bedeuten.%) Wenn selbst Descartes noch beständig
mit der Forderung gerungen hatte, dem physischen Körper
eine Art des Seins und der unabhängigen Existenz zu sichern,
die ihn von den Gebilden des mathematischen Denkens unter-
scheiden sollte: so spricht Malebranche es nunmehr mit voller
Energie und Bestimmtheit aus, dass eine derartige Fragestellung
die Sicherheit der Erkenntnis jedenfalls nicht zu berühren ver-
mag. Die Uebereinstimmung, die der Physiker zu suchen hat,
ist die zwischen seinen Begriffen auf der einen, und der Er-
fahrung und dem Inbegriffe der Wahrnehmungen auf der an-
deren Seite. Die „Dinge“ dagegen, die man „hinter“ den Wahr-
nehmungen etwa vermutet, entziehen sich seinem Gesichtskreis
und seiner Beurteilung; sie können völlig fortfallen, ohne dass
dadurch der Wert seiner Wissenschait irgend geschmälert wird.
„On dira peut-6tre que l’essence de la matiere n’est point
V’etendue, mais qu'importe? Il suffit que le monde que nous
concevrons Ctre forme d’etendue, paroisse semblable A celui que
nous voyons, Jquoiqu’il ne soit point materiel de cette ma-
tiere, qui n’est bonne ä rien, dont on ne connoit rien,
zat de laquelle cependant on fait tant de bruit“.%)
Wenn in den Entwicklungen, die wir bisher verfolgten, der
reinen Durchführung dieser streng phaenomenalen Betrach-
tungsweise vor allem die absolute Geltung und Anwendung des
Kausalbegriffes entgegenstand, so wird auch diese nunmehr
beseitigt. Bleiben wir bei der Anschauung der empirischen Ver-
änderungen stehen, so findet sich in ihnen kein einziges Moment,
das uns die Wirksamkeit eines Elements auf ein anderes ver-
riete oder unmittelbar darstellte. Der Begriff der körperlichen
Kraft erweist sich für die schärfere Zergliederung als ein leeres
Idol der Einbildungskraft; „Wie sehr ich mich auch anstrenge,
ihn zu begreifen: ich finde keine Idee in mir, die mir jenes Etwas
darstellt, das man die Kraft oder Macht der geschaffenen Wesen
nennt.“ Wenn man glaubt, eine solche Idee, wo nicht in der