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Die Ideenlehre. — Malebranche.
äusseren, so doch in der „inneren“ Erfahrung zu besitzen, so be-
ruht auch dies auf einer Selbsttäuschung, die vor der tieferen
Analyse sogleich verschwindet. Zwischen dem Willensakt, den
ich in mir selbst wahrnehme, und einer materiellen Aenderung
der äusseren Welt besteht keinerlei notwendige, ja keinerlei be-
zreifliche und verständliche Verknüpfung. Nur das Vorurteil einer
oberflächlichen Betrachtung vermag uns einen logischen Zu-
sammenhang bei einem Vorgang vorzutäuschen, bei dem es sich
in Wahrheit um ein blosses Nach- und Nebeneinander von Er-
scheinungen handelt. Wir mögen das gesamte Gebiet des Be-
wusstseins, das für uns notwendig die einzige Regel des Urteils
darstellt, durchforschen: nirgend finden wir in ihm ein Vermögen,
las uns eine innere, kausale Beziehung zwischen zwei Gliedern
des Seins widerspiegelt. Der Intellekt, wie der Wille, die Vernunft,
wie die sinnliche Vorstellung versagen sich gleichmässig dieser For-
derung. Wo immer uns die Erfahrung, wie beim Stoss der Körper,
Jen Ucbergang einer Kraft von einem zum anderen Körper un-
mittelbar vor Augen zu stellen scheint: da istes in Wahrheit nur eine
konstante gesetzliche Beziehung zwischen Bewegungsvorgän-
Jen, eine Regel, durch die die Verteilung der Geschwindigkeiten an
verschiedene Teile des Raumes bestimmt und Vorgezeichnet wird.
Die Gesetze, nicht die Körper sind es, auf die alle Wirksamkeit
‚m echten, logischen Sinne zurückgeht: „parce que ces loix sont
»fficaces, elles agissent et les corps ne peuvent agir“50) In dieser
etzten Schlussfolgerung zieht Malebranche nur die Konsequenz
»iner Grundanschauung, die durch die moderne, mathematische
Naturwissenschaft eingeleitet und notwendig gefordert ist. Wir
konnten inshesondere bei Kepler verfolgen, wie der Kraftbegriff‘
ler Naturphilosophie und der naiven Vorstellung sich mit der
wachsenden Einsicht in die Prinzipien der eigenen Forschung, in
den modernen Begriff der Funktion auflöst. Für Galilei bildet
Jiese Umbildung sodann bereits die sichere Voraussetzung, von
der aus er die substantiellen Formen der Schulphilosophie be-
kämpft. Die Grundeinsicht, die seine Wissenschaft belebte und
leitete, ist jetzt auf den klarsten Ausdruck gebracht: die echte
Ursächlichkeit ruht niemals in den Dingen, sondern in den Ge-
setzen und findet in ihnen ihre sichere Bürgschaft. Man hat
Malebranche mit Hume verglichen: ein Vergleich. bei dem