Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Der Begriff der Relation. 
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auf den Descartes den Erkenntniswert seiner analytischen Geo- 
metrie gegründet hatte, wird indessen jetzt nicht mehr auf 
vereinzelte Beobachtungen, noch auch auf eine psychologische 
Zergliederung unserer Fähigkeiten und „Vermögen“ gestützt: er 
ergibt sich mit sachlicher, objektiver Notwendigkeit aus dem Be- 
griff der Wahrheit selbst. „Wahrheit“ besagt und bezeichnet 
nichts anderes, als eine „reale Beziehung“, die zwischen zwei Ideen 
stattfindet, als eine Vergleichung, die uns ihre Einerleiheit oder 
Verschiedenheit kennen lehrt. Ob die Einzelinhalte, die in diese 
Vergleichung eingehen, wirkliche Existenz besitzen, ist für den 
Wert und die Geltung des Verhältnisses selbst ohne Belang: während 
umgekehrt keine Verhältnisse zwischen den Dingen stattfinden 
oder ausgesagt werden könnten, wenn nicht die Gewissheit rein 
idealer Beziehungen vorausginge. Diese letzteren allein sind es, 
die, wie dem Bereich des Daseins, so auch dem des Werdens 
entzogen und daher ewig und unveränderlich sind; sie allein bilden 
somit die unverrückbare Regel aller anderen Erkenntnisse. Je 
weiter wir uns von diesen allgemeinen Urbegriffen entfernen, um 
ans der konkreten Wirklichkeit zuzuwenden, um so geringer wird 
die Bürgschaft der Gewissheit unserer Einsicht. Das letzte Ziel des 
Erkennens ist daher nur in denjenigen Wissenschaften erreichbar, 
in denen — wie insbesondere in der mathematischen Analysis — 
der Gegenstand sich völlig aus reinen Relationen aufbaut und in 
ihnen aufgeht. „Les verites ne sont que des rapports et la connois- 
sance des verites la connoissance des rapports. Il ya des rapports 
ou des verites de trois sortes. Il y en a entre les idees, entre les choses 
et leurs idees, et entre les choses seulement ... De ces trois sortes 
de verites celles qui sont entre les idees sont eternelles et immu- 
ables et ä cause de leur immutabilite elles sont aussi les 
regles et les mesures de toutes les autres: car toute regle 
ou toute mesure doit @tre invariable. Et c’est pour cela que V’on 
ne considere dans l’Arithmetique, l’Algebre et la Geometrie que 
ces sortes de verites, parce que ces sciences generales reglent et 
renferment toutes les sciences particulieres‘.®) Man sieht, .wie der 
Satz der Relativität aller unserer Erkenntnis hier einen völlig 
neuen Sinn erhalten hat: wenn er zuvor den Abstand zu ‚be- 
zeichnen schien, der zwischen unserem Wissen und seinem Objekt 
dauernd bestehen bleiben muss. so ist er jetzt zum Ausdruck für die 
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