Die Ideentehre. — Malebranche.
Kraft und die „intelligible“ Vollendung des Wissens geworden.
Und wir verstehen nunmehr die Grundabsicht, in welcher Male-
branche aus der empirischen Psychologie die absolute Seelensub-
stanz, aus der empirischen Physik die absolute Materie entfernen
musste. Das Bild der Wirklichkeit ist erst jetzt nach dem Schema
and Grundriss der Methode gestaltet und ausgeführt. Keine Scheide-
wand trennt mehr die verschiedenen Gebiete: der Gegenstand der
Erfahrungswissenschaft besteht aus einem Inbegriff von Verhält-
nissen, für deren Bearbeitung die mathematischen Grundbezie-
hungen die Richtschnur und das rationale Vorbild abgeben.
Ist somit für die empirische Wirklichkeit die Reduktion,
die nach den Bedingungen der Erkenntnis zu fordern war,
vollendet, so bleibt dennoch — wie wir schon hier uns vergegen-
wärtigen müssen — ein Problemgebiet zurück, an dem das
gedankliche Verfahren, das sich bis hierher bewährte, eine
ürenze findet. Der Kraftbegriff insbesondere wurde nur darum
aus der Betrachtung der Erscheinungen verbannt, um ihn einer
anderen Sphäre ausschliesslich vorzubehalten und ihn in ihr zu
ınumschränkter Geltung zu bringen. Wir sahen, dass alle Wirk-
zsamkeit den Dingen entzogen und auf die Gesetze übertragen
wurde, Woher aber — so lautet nunmehr die Frage, der sich
Malebranche nicht zu entziehen vermag — woher stammt die
Wirksamkeit jener Gesetze selbst? Wenn es nicht gelingt, einen
‚etzten festen Punkt zu finden, an den wir ihre Geltung anknüpfen
sönnen, so bleibt alles Sein und alles Geschehen wiederum dem
Zufall und der Willkür überantwortet. Und damit ändert sich
die Richtung der Betrachtung: die Regeln des Geschehens sind
fest und unverrückbar, weil sie nur verschiedene Ausdrücke des
in sich einheitlichen und beständigen Willens der Gottheit
sind. Die „notwendige Verknüpfung“, die uns die Zergliederung.
der Erscheinungen nirgend darzubieten vermochte: hier ergreifen
und verstehen wir sie unmittelbar. Jetzt stellt sich uns ein eigen-
tümliches Verhältnis dar: die Metaphysik leistet uns, was uns
lie innere, wie äussere Erfahrung versagte. Zwischen dem gött-
üichen Willen und seinem Werk besteht allein jener direkte
Wesenszusammenhang, besteht der allein verständliche „Ueber-
zang“, der zur Herstellung von wirklichen Kausalverhältnissen
erfordert wird. Ursache und Wirkung sind hier nicht zwei ge-