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Die Ideenlehre. — Malebranche.
Gegenstandes niemals durch die blosse Empfindung verbürgt ist,
dass eine eigene und ursprüngliche Funktion des Denkens dazu
erfordert wird, um sie zu erschaffen und zu sichern. Aber er ver-
mag die logische Notwendigkeit dieses Denkaktes nur dadurch zu
vegründen, dass er sie auf eine reale Notwendigkeit zurückdeutet;
er vermag den Wert, den die Idee als Bedingung besitzt, nur
dadurch festzustellen. dass er sie zur wirklichen und wirkenden
Ursache macht. —
Das Verhältnis von Wissen und Sein rückt schliesslich
aoch einmal in helle Beleuchtung, wenn Malebranche sich einer
allgemeinen Frage der zeitgenössischen Metaphysik: der Frage
nach der Abhängigkeit der „ewigen Wahrheiten“ vom Wesen und
Willen Gottes zuwendet. An diesem Punkte löst er sich end-
giltig von der Tradition der Schule und eröffnet neue Wege. Das
Rang- und Wertverhältnis, bei dem die Cartesische Metaphysik
zuletzt geendet hatte, erfährt eine entscheidende Umkehrung.
‘Vgl. ob. S. 4261.) „Wenn die ewigen Gesetze und Wahrheiten von
Gott abhängig, wenn sie durch einen freien Willensentschluss des
Schöpfers festgestellt und begründet wären, kurz wenn die Ver-
aunft, die wir befragen, nicht notwendig und unabhängig
wäre, so gäbe es ersichtlich keine wirkliche Wissen-
schaft mehr und man könnte sich täuschen, wenn man be-
hauptete, die Arithmetik oder die Geometrie der Chinesen sei die-
selbe wie die unsrige. Denn wenn es nicht unbedingt notwendig
ist, dass 2X4 8 ist, oder dass die Winkelsumme eines Dreiecks
2 R. beträgt, — welchen Beweis haben wir alsdann, dass diese
Wahrheiten nicht von derselben Art sind, wie solche Sätze, die nur
von einzelnen Schulen anerkannt sind und nur für eine bestimmte
Zeitdauer gelten?“ Die Geltung der Wahrheit an eine Verfügung,
welcher Art und Herkunft sie immer sei, zu knüpfen, ist ein
ieeres und grundloses Spiel der Einbildung. Wenn man an die
Ordnung, an die ewigen Wahrheiten und Gesetze denkt, so fragt
man nicht nach ihren Ursachen: denn sie haben keine, man
erkennt, dass ihre Unwandelbarkeit in ihrem Begriff und ihrer
Natur gegründet ist, nicht in irgendwelcher äusseren Satzung und
Bestimmung. Hier nach einem tieferen Ursprung zu verlangen,
heisst bereits die unbedingte Sicherheit der Denkgesetze antasten,
aeisst den Skeptizismus verkünden. Man sieht. dass Malebranche