Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Vernunft und Offenbarung. 
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(ormation verwandt. (Vgl. ob. S. 184.) Erst wenn man hier seinen 
Ausgangspunkt nimmt, wenn man diese Sätze Bayles, die einer 
([rüheren Schrift angehören,”) zu Grunde legt, versteht man die 
Absicht des Bayleschen Zweilels, die im „Dictionnaire“ durch 
mannigfache Nebenabsichten beschränkt und verdunkelt ist 
Der Sinn und der Umfang der Bayleschen Skepsis, soweit 
sie sich auf die theoretische Naturerkenntnis bezieht, lässt 
sich im einem Wort begrenzen und festhalten: es ist nicht die 
Wahrheit der Begriffe, sondern die absolute Existenz der 
Dinge, die durch sie getroffen werden soll. Bereits die geschicht- 
iiche Anknüpfung, die Bayle zum Erweis seiner Lehre wählt, 
ist für. diese Richtung seines Denkens bezeichnend: es ist der 
(dealismus der Eleaten, der von ihm ergriffen und der in der 
eindringlichen und dauernden Kraft seiner Beweisgründe dem 
Zeitalter entgegengehalten wird. Die Renaissance der grossen an- 
liken Systeme ist im 17. Jahrhundert im allgemeinen vollendet. 
Der Gegensatz zwischen Platon und Aristoteles ist allseitig be- 
griffen und dargestellt; die Lehre Demokrits ist durch Gassendi 
zu allgemeinem populären Verständnis, durch Galilei zu reinster 
logischer Durchbildung und Fortwirkung gelangt. Selbst Gedanken 
des Empedokles und Anaxagoras wirken in den naturphiloso- 
phischen Spekulationen der Zeit mannigfach nach. Nur dasjenige 
System, in dem alle diese Lehren ihre eigentliche Wurzel haben 
und auf das sie, fortbildend oder polemisch, dauernd Bezug nehmen 
scheint bis jetzt kaum in den Gesichtskreis der neueren Zeit ge- 
rückt zu sein. Wenn Telesio und seine Schule sich auf Par- 
menides berufen, so knüpfen sie hierbei nur an seine Physik, 
nur an diejenigen Sätze, die er selbst dem Bereich der trüge- 
rischen und schwankenden Meinung zugewiesen hatte, an. Die 
logische Absicht aber, die dem Gedanken des Einen Seins und 
der Kritik der Vielheit und Unendlichkeit zu Grunde lag, blieb 
unverstanden: sie musste einer Epoche fremd bleiben, der die 
Wahrheit und das Sein des Unendlichen in ihrer neuen kosmo- 
logischen Gesamtansicht unmittelbar verbürgt erschien und die
	        
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