Full text : Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Antinomien des Unendlichen.

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teien lernen, dass die Voraussetzung, um die sich der Streit
bewegt, in sich selbst unhaltbar ist, dass es das Subjekt des
Schlusssatzes, nicht die einzelnen Prädikate sind, worin die
Schwierigkeit begründet liegt. Wir müssen begreifen, dass der
Körper der Physik zu keiner anderen Art des „Seins“ gehört, wie
die Linien und Flächen der Mathematik; wir müssen einsehen,
dass so gut Länge und Breite Inhalte sind, die ausserhalb des
Denkens keinen Bestand haben, auch das Gebilde von drei Dimensionen
 keine andere als „ideale“ Existenz besitzt. 1%) Dem
gleichen Verdikt, wie der Raum, verfällt die Bewegung: auch sie
arscheint uns durchweg mit inneren Widersprüchen behaftet,
sobald wir sie als eine unabhängige Wesenheit betrachten und
demgemäss ihre innere „Natur“ zu enträtseln suchen. Die Schwierigkeiten
 der stetigen Zusammensetzung der Materie, wie ihres stetigen
 Uebergangs von Raum- zu Raumpunkt schwinden erst,
wenn wir mit der Aufhebung jeglicher Transscendenz Ernst
machen: in unserem Geiste allein vermögen wir den „Zusammenhang“
 zu stiften und zu begreifen, der uns an den gesonderten,
realen Elementen unfassbar blieb.1%) Diesen Erwägungen fügt
Bayle die Gründe hinzu, die sich aus der Betrachtung der physiologischen
 Bedingtheit unserer sinnlichen Erfahrung ergeben:
denn alle „Mittel der Epoche“, mit denen man die Subjektivität der
Empfindungsqualitäten dartut, gelien ihm zugleich als ebensoviele
Beweise gegen das unabhängige Sein der Ausdehnung. Hier weist
er selbst auf Malebranche zurück, dessen Erörterungen über die
Relativität aller räumlichen Setzungen er aufnimmt und breiter
entwickelt. (Vgl. ob. S. 481 f.) Das wesentliche Ergebnis aber,
das er gewinnt, liegt nicht in diesen psychologischen Ausführungen,
 sondern es besteht darin, dass er das letzte Band, das
die klare und deutliche Perception noch mit der abso-Juten
 Wirklichkeit verknüpft, zerschneidet. Wie die gesamte
Entwicklung der Philosophie des 17. Jahrhunderts auf eine Lockeung
 dieses Zusammenhangs hinausging, konnten wir beständig
verfolgen; aber erst jetzt ist die Scheidung streng und unwiderruflich
 vollzogen. Der Satz des Widerspruchs selbst, somit die
Bedingung aller unserer Begriffe und Erkenntnisse bleibt nur soange
 in Kraft, als wir innerhalb des Bereichs der Phänomene
verharren; er versagt und wird stumpf. sobald wir ihn zur Ord-
            
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