Full text: Das Erkenntnisproblem in der Philosophie und Wissenschaft der neueren Zeit (Bd. 1)

Die Ideenlehre und das Problem der Erfahrung. 
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rung verdecken und ihre Lücken ausfüllen soll. Er weigert sich, 
an die Einzeldinge heranzugehen, bevor sein Blick für sie durch 
die Begriffe, durch die A0yoı, geschärft und vollständig gerüstet 
ist. Und diese durchgängige systematische Fundierung einer 
Wissenschaft des Veränderlichen ist es, die er zuletzt vermisst und 
die er bei dem Stande der zeitgenössischen Forschung vermissen 
musste. Es ist für immer denkwürdig, wie er in dem systema- 
tischen Aufbau der Erkenntnis, den die Republik vollzieht, ganze 
Gebiete von Wissenschaften, die ihm historisch noch nicht ge- 
geben waren, aus der Strenge und Stetigkeit des prinzipiellen 
Grundgedankens heraus, erst eigentlich entdeckt, wie er z. B. 
zwischen die Geometrie und Astronomie die Stereometrie als not- 
wendiges Mittelglied einschiebt. Im gleichen Sinne hat er auch die 
Notwendigkeit einer abstrakten Bewegungslehre durchschaut 
und ausgesprochen. Wenn er sich der Betrachtung der Gestirne 
überlässt, wenn er sich dem ästhetischen Zauber dieses „bunten 
Schmuckes am Himmel“ hingibt, so geschieht es mit dem be- 
wussten Ziele, dass sie ihm Beispiele und Belege für diese gedank- 
liche Forderung, die er im Sinn trägt, darbieten sollen. Um sich 
der Probleme zu bedienen, die sie darbietet, will er an die 
Astronomie herangehen —: „was aber am Himmel ist, das 
wollen wir lassen, wenn es uns anders darum zu tun ist, wahr- 
haft der Sternkunde uns befleissigend, das von Natur Vernünftige 
in unserer Seele aus Unbrauchbarem brauchbar zu machen“.?) 
Die Configurationen des Himmels und ihre Wandlungen sollen wir 
zwar für das Beste und Vollkommenste an innerer Harmonie und 
Regelmässigkeit halten, was sich im Gebiet des Sichtbaren und 
Körperlichen aufweisen lässt: zugleich aber sollen sie uns nur als 
Andeutungen und als Unterlage für die Betrachtung völlig exakter 
und gleichförmiger Bewegungen dienen, die „die wahrhafte Ge- 
schwindigkeit und die wahrhafte Langsamkeit gemäss der wahren 
Zahl und den wahrhaften Figuren ausführen“: Hier liegt nicht 
nur der Gedanke zu Grunde, dass wir die verworrenen und viel- 
verschlungenen Bahnen, die die Gestirne nach dem unmittel- 
baren Augenschein zu beschreiben scheinen, kraft der mathema- 
tischen Hypothese auf einfache geometrische Gestalten zurück- 
führen müssen: es ist zugleich gefordert, dass wir das Gebiet des 
Konkreten überhaupt verlassen. um nicht mehr die Geschwindig-
	        
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