Metadata : Entwicklungsbedingungen und Aufgaben der modernen Wirtschaftstheorie

Teerfarben  445  Teerfarben

3.  Braunkohlenteer,  Bergteer  (lat.  Pix  carbonis,
  frz.  Goudron  de  lignite,  engl.  Wood  coal
tar).  Obschon  jede  Braunkohle  T.  liefert,  benutzt ­
  man  doch  zur  Paraffingewinnung  nur  diejenigen ­
  Sorten,  die  reich  an  Pyropissit  (vgl.
Paraffin)  sind.  Der  Braunkohlenteer  ist  eine
dicke,  dunkelbraune,  übelriechende  Flüssigkeit,
die  nur  wenig  Kresol  und  Phenol,  dagegen  hauptsächlich ­
  Paraffin  und  flüssige  Kohlenwasserstoffe
der  verschiedensten  Art  enthält.  Die  leichter
flüchtigen  Bestandteile  werden  unter  dem  Namen
Photogen,  die  schwerer  flüchtigen  als  Solaröl
verkauft.  Der  Rückstand  von  der  Destillation
des  Braunkohlenteers  ist  der  Braunkohlenasphalt ­
  oder  das  Braunkohlenteerpech.  Die
Ausbeute  an  Braunkohlenteer  ist  sehr  verschieden ­
  und  schwankt  zwischen  6  und  25%.  •—
4.  Der  Steinkohlenteer  (lat.  Pix  lithanthracis
seu  carbonis.  frz.  Goudron  d'houille,  engl.  Coal
tar)  wird  in  bedeutenden  Mengen  bei  der  Erzeugung' ­
  von  Leuchtgas  aus  Steinkohlen  als
Nebenprodukt  erhalten  und  dient  zur  Gewinnung ­
  zahlreicher  wertvoller  Bestandteile.  Er
bildet  eine  dicke,  schwarze,  klebrige,  stark  betäubend ­
  riechende  Flüssigkeit,  die  schwerer  als
Wasser  und  mit  diesem  nicht  mischbar  ist.  Seine
wichtigsten-  Bestandteile  sind  Benzol,  Toluol,
Xylol,  Kumol,  Zymol,  Phenol,  Kresol,  Anilin,
Toluidin,  Xylidin  und  ähnliche  Basen,  endlich
Naphtalin,  Anthrazen,  Chrysen,  Diphenyl,  Fluoren,
  Phenanthren,  Fluoranthren  und  Pyren.  Der
bei  der  Destillation  des  Steinkohlenteers  hinterbleibende ­
  Rückstand  erstarrt  beim  Erkalten  zu
einer  harten,  schwarzen  Masse  von  muscheligem
Bruch,  dem  St  einkohlen  teerpech  oder  Steinkohlenasphalt, ­
  dem  Rohstoff  zur  Herstellung
von  Dachpappen  und  Asphaltfußböden.  —
5.  Animalischer  Teer  (tierischer  Teer,
Franzosenöl,  Hirschhornöl,  lat.  Oleum  animale ­
  foetidum,  frz.  Huile  animale,  engl.  Animal
oil)  wird  durch  trockene  Destillation  von  Knochen, ­
  Haut,  Leder,  Horn  und  anderen  tierischen
Abfällen  gewonnen.  Er  bildet  eine  außerordentlich ­
  übelriechende,  dunkelbraune,  ölige  Flüssigkeit, ­
  die  eine  große  Zahl  stickstoffhaltiger  organischer ­
  Basen  und  Kohlenwasserstoffe  enthält.
Man-  verwendet  das  Tieröl  in  der  Tierheilkunde
gegen  Räude  der  Schafe,  zum  Fernhalten  von
Insekten  in  der  heißen  Jahreszeit,  zum  Vertreiben
von  Hamstern,  Kaninchen  usf.  Die  aus  dem
Tieröl  durch  Rektifikation  erhaltenen,  leichter
flüchtigen  Teile  bilden  eine  gelbliche,  an  der
Luft  sich  dunkler  färbende  Flüssigkeit,  die  unter
dem  Namen  Dippels  öl,  gereinigtes  Tieröl
(lat.  Oleum  animale  aethereum,  Oleum  animale
Dippelii,  frz.  Huile  animale  volatile  ou  Huile  de
Dippel,  engl.  Volatil  animal  oil)  medizinisch  als
krampfstillendes  Mittel  Verwendung  findet.
Teerfarben  (Anilinfarben)  nennt  man  die
große  Zahl  der  aus  den  Bestandteilen  des  Steinkohlenteers ­
  (s.  Teer)  gewonnenen,  im  weiteren
Sinne  aber  auch  allekünstlich  hergestellten  organischen ­
  Farbstoffe  überhaupt.  Sie  alle  enthalten
mindestens  eine  ringförmige  Atomgruppe  (Benzol, ­
  Naphtalin,  Anthrazen,  Chinolin)  und  überdies
neben  Kohlenstoff  und  Wasserstoff  noch  Sauerstoff, ­
  Stickstoff,  Schwefel  oder  mehrere  dieser
Elemente  nebeneinander.  Als  Ausgangsmaterialien ­
  kommen  besonders  die  Kohlenwasserstoffe

Benzol,  Toluol,  Xylol,  Naphtalin,  Phenanthren,
Anthrazen  und  die  sauerstoffhaltigen  Phenole  und
Kresole  in  Betracht,  des  weiteren  aber  auch  zahlreiche ­
  von  diesen  abgeleitete  Halogenderivate
(Benzylchlorid),  Nitroverbindungen  (Nitrobenzol),
Sulfosäuren,  Aminoverbindungen  (Anilin),  Diazoverbindungen, ­
  Hydrazine  usw.  An  Stelle  der
hierdurch  gegebenen  Unterscheidung  in  Benzol-,
Toluol-  usw.  Farbstoffe  teilt  man  die  T.  neuerdings ­
  auf  Grund  ihrer  chemischen  Konstitution
z.B.nach  Möhlau  und  Eucherer  in  folgende
Gruppen  ein:  1.  Nitro-  und  Nitrosophenolfarbstoffe,
  2.  Azofarbstoffe,  3.  Pyrazolonfarbstoffe,
  4.  Di-  und  Triphenylmethanfarbstoffe,
  5.  Xanthenfarbstoffe,  6.  Anthrazenfarbstoffe,
  7.  Oxychinonfarbstoffe
der  Benzol-  und  Naphtalinreihe,  8.  Parachinoniminfarbstoffe,
  9.  Azinfarbstoffe,
10.  Oxazinfarbstoffe.n.Thiazinfarbstoffe,
12.  Thiazolfarbstoffe,  13.  Schwefelfarbstoffe, ­
  14.  Pyridin-,  Chinolin-  und  Akridinfarbstoffe, ­
  15.  Indigo-  und  Thioindigofarbstoffe.
  Die  einzelnen  Gruppen  sowie  ihre
wichtigsten  Vertreter  sind  in  besonderen  Abschnitten ­
  besprochen.  —  Nach  ihrem  verschiedenen ­
  Verhalten  zu  den  Geweben  und  Gespinstfasern ­
  unterscheidet  man  weiter  homochrome,
heterochrome  und  Pigmentfarbstoffe.  Die
ersteren,  welche  direkt  ohne  Beize  färben,  zerfallen ­
  in  drei  Unterabteilungen:  a)  Basische
Farbstoffe,  die  Wolle  in  wäßriger  Lösung  ohne
jeden  Zusatz,  Baumwolle  aber  erst  nach  vorherigem ­
  Beizen  mit  Tannin  und  Metallsalzen
färben  und  daher  auch  Tanninfarbstoffe  genannt
werden.  Bei  ihnen  ist  die  Base  des  Salzes  die
färbende  Ursache,  b)  Saure  Farbstoffe,  die
Wolle  in  einem  Bade  aus  Säuren  oder  sauren
Salzen,  Baumwolle  hingegen  gar  nicht  färben.
Bei  ihnen  beruht  die  Farbwirkung  auf  der  Säure
des  Salzes,  c)  Substantive  Farbstoffe,  die
ausnahmslos  Baumwolle  direkt  oder  nach  Zusatz
neutraler  oder  schwach  alkalischer  Salze,  zum
großen  Teile  aber  auch  Wolle  im  neutralen
Glaubersalz-  oder  Kochsalzbade  färben.  —  Die
Glieder  der  zweiten  Gruppe,  die  heterochrome ­
  n  F  arbstoff  e,  die  alle  schwach  sauren  Charakter
besitzen  und  mindestens  zwei  saure  Gruppen
(Plydroxyl-  oder  Karboxylgruppen)  enthalten,  färben ­
  die  Faser  nicht  direkt,  sondern  erst  nach
der  Behandlung  mit  einer  Beize  (s.  d.),  wodurch
Farblacke  entstehen.  Zu  ihnen  gehört  besonders
das  Alizarin.  —  Zu  den  Pigmentfarbstoffen ­
  gehören  nur  verhältnismäßig  wenige
Farbstoffe,  welche  auf  der  Faser  erzeugt  werden, ­
  besonders  Anilinschwarz,  Indigo  u.  a.  —
Nach  einer  anderen  Einteilung  unterscheidet
man  die  Farbstoffe  auch  wohl  in  substantive, ­
  die  ohne  Beize,  und  in  adjektive,  die
nur  mit  einer  Beize  färben.  Man  findet  dann,
daß  sich  zahlreiche  Farbstoffe  gegen  tierische
Fasern  (Wolle,  Seide)  substantiv,  gegen  Pflanzenfaser ­
  aber  adjektiv  verhalten,  und  daß  z.  B.
die  basischen  Farbstoffe  der  vorstehenden
Gruppierung  sowohl  substantiv  als  adjektiv  sein
können.  Die  Herstellung  der  Teerfarben  beginnt ­
  mit  der  Entdeckung  des  ersten  violetten
Farbstoffs  aus  Anilin,  des  Mauveins,  durchPerkin
im  Jahre  1856,  der  bereits  drei  Jahre  später,  1859,
die  Synthese  des  Fuchsins  durch  Verguin  und

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