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Bildung ihrer eigenen Wesenheit nach zustrebt. Alles Werden
der Natur wird unter dem Bilde und der Analogie des Wachs-
tums eines Organismus beschrieben: es wird nur verständlich,
wenn wir in ihm die stetige Verwirklichung und die konkrete
Selbstdarstellung eines allgemeinen vorbildlichen Prinzips sehen,
das von Anfang an zu Grunde liegt und sich, dem Widerstande
des Stoffes zum Trotz, allmählich immer reiner ausprägt und
herausarbeitet. Und wie dieser Gesichtspunkt von Zweck und
Mittel die Erklärung des besonderen Geschehens beherrscht, so
bestimmt er auch den Aristotelischen Gesamtbegriff des Univer-
sums. Was wir die Gesetzlichkeit der Natur nennen, das ist nur
der Ausdruck für die einheitliche, formgebende und lebensspen-
dende Tätigkeit, die durch das Al hindurchgeht und die auf ver-
schiedenen und entlegenen Gebieten stets analogische Gestaltungen
hervorruft. Die Natur ist ein System und eine Gradabstufung von
immanenten Zwecken, die sich wechselweise bedingen und auf
einander hinweisen. Nicht mit Unrecht hat man gesagt, dass in
diesem Aristotelischen Bilde vom Weltganzen „die poetische Le-
bendigkeit der altgriechischen Naturanschauung“ wieder zum Vor-
schein komme?%): der ästhetische Reiz aber, den sie dadurch aus-
übt, darf gegen ihre inneren logischen Schwierigkeiten nicht blind
machen, In der Tat scheinen wir hier dem Prinzip und der all-
gemeinen Fragestellung nach wieder mitten in die Anfänge der
ee ichen Spekulation zurückversetzt: die Substanz ist wieder
der E 1 e und schlechthin Gegebene, das wir bei aller Untersuchung
er Erkenntnis voraussetzen und an die Spitze stellen müssen. Das
„Allgemeine“, das bei Platon wesentlich den Stempel und die Prä-
gung des Denkens trug, indem es das ideelle Vorbild bezeich-
nete, auf das wir in allen unseren empirischen Aussagen und Ur-
teilen hinblicken müssen: hier ist es zu einer Realpotenz geworden,
die sich auswirken und in immer neuen besonderen Bildungen
offenbaren will. —
_ Ist auf diese Weise der Begriff des Seins vorweg gesetzt und
bestimmt, so kann sich die Erkenntnislehre des Aristoteles
den Umrissen, die hier gegeben sind, leicht und mühelos einfügen.
Die Dinge besitzen ein äusseres, selbstgenügsames Dasein: für die
Erkenntnis kann es sich nur noch darum handeln, sich diese
Existenz in allen ihren Teilen nachbildend anzueignen. Alle