Full text : Moderne Rechtsprobleme

Kampf gegen das Böse. 47

späteren Leben ist die Möglichkeit der Einwirkung nicht ausge—
schlossen, und wo man nicht auf den Charakter einwirken kann,
kann man in der Art helfen, daß man die Beweggründe möglichst
beiseite schafft, welche den Charakter ins Verbrechen führen können;
daß man also die Verführung vermindert, daß man, da Not,
Arbeitsmangel, schlechte Gesellschaft eine Quelle von Verführungen
sind, womöglich für Arbeit, angemessene Unterkunft, richtigen Um—
gang sorgt, daß man mit Rat und Tat dem einzelnen beisteht
und ihn vor den Schlingen des Verderbens zu retten sucht.
Hier bietet sich der menschlichen Gesellschaft eine sehr dankbare
Aufgabe, um den Kampf gegen das Böse zu unterstützen.
In dieser Hinsicht stehen wir noch am Anfang der Dinge. Bis
jetzt hat man sich vielfach auf Einzelheiten geworfen, z. B. die
Linderung der menschlichen Not; aber die Menschheit kann hundert
andere Hilfsmittel gewähren, um den Handelnden bei der Bildung
des Willens zu unterstützen und ihm die Möglichkeit, daß er nicht
unterliegt, zu erleichtern. Auch hat insbesondere die Religion
einen ungeheueren sittlichen Einfluß, und diejenigen, welche dem
Volke die Religion nehmen, nehmen ihm damit eines der mäch—
tigsten Mittel im Kampfe gegen das Böse. Ein anderer sittigen⸗
der Einfluß liegt in der Genossenschaftsbildung, indem der
Genosse, schon um nicht ausgeschlossen zu sein, sich von vielen
Lastern und Ungereimtheiten fern halien muß; daher waren frühere
Zeiten kurzfichtig, wenn sie wegen einzelner Gefahren die Ge⸗
nossenschaftsbildung grundfätzlich erschwerten. Sodann
kann aber auch durch Auskunftsstellen viel dazu beigetragen
werden, daß dem einzelnen der richtige Anschluß geschafft und
dadurch Gefahren verhütet werden, und zwar soll dies mühelos
und unentgeltlich geschehen.
Natürlich kann die Hilfe auch mittelbar sein; so wird der
Kampf gegen den Alkoholismus zur sittlichen Förderung der
Menschheit führen, denn das alkoholische Laster hat die Menschheit
nicht nur intellektuell, sondern auch moralisch furchtbar herunier⸗
gebracht. Nicht nur haben wir es dem Alkohol zu danken, daß
wir um einige Jahrhunderte in der Geistesbildung zurückgeblieben
sind, sondern die furchtbarsten Laster, die moralischen Gebrechen,
die angeborenen moralischen Mängel sind großenteils diesem ver⸗
derblichsten aller Gifte zuzuschreiben. Hiervon wird noch unten
die Rede sein.
In dieser Beziehung muß allerdings gegen den bisherigen
            
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