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die Kreditwirtschaft größere Solidität in der Bevölkerung veranlassen
wird, kann sie im Einzelfalle die Unsolidität fördern. Durch Kredit
kann das Uebergewicht des Besitzenden über den Besitzlosen noch gesteigert
werden, weil demjenigen, dem ein mäßiges Vermögen zur Seite
steht, noch leicht ein Kapital kreditiert wird, was ohne solche Sicherheit
nur selten geschieht. Dem reichen Manne stehen aber fast unbegrenzte
Kapitalien zur Verfügung.
Der Kredit erweist sich demnach als ein zweischneidiges Schwert,
welches den leicht verwundet, der es nicht zu handhaben versteht, dazegen
denjenigen unterstützt, der den richtigen Gebrauch davon macht.
Der Kredit ist es gewesen, der erst die moderne Weltwirtschaft ausbilden
ließ und die Fortschritte der Kultur ermöglichte, die wir gegenwärtig
genießen. Durch eine größere Reife und richtigeres Verständnis
für die Volkswirtschaft wird es allmählich gelingen, die schädlichen
Auswüchse zu beschneiden und die Gefahren zu mildern.
Kapitel IV.
Die Arten der Volkswirtschaft.
8 40.
Verschiedene Einteilung der wirtschaftlichen
Entwickelung,
Fr. List, Nationales System der politischen Oekonomie. Stuttgart 1840.
Bücher, Art, Gewerbewesen im Handwörterbuch d. Staatsw. und Entstehung
Volksw., 2. Aufl, Tübingen 1898.
B. Hildebrand, Jahrbücher für Nationalökonomie, Jahrg. 1864. ;
Ed. Meyer, Die wirtschaftliche Entwickelung des Altertums. Jahrbücher für
Nationalökonomie 1895.
Pr. List.
Die Entwickelungsgeschichte der Volkswirtschaft in verschiedene
Phasen zu zerlegen, ist schon von mehreren Seiten versucht. Am bezanntesten
ist die Einteilung von Friedrich List, der folgende
wirtschaftliche Entwickelungsstufen der Menschheit annimmt: 1. die
Stufe der Jagd und Fischerei, 2. des Hirtenlebens, 3. des Ackerhbaues,
4, die Agrikultur-Manufakturperiode, und 5. die Agrikultur-Manufaktur-Handelsperiode.
Die erste ist die Zeit, wo der Mensch sich noch
wenig von dem Tiere unterscheidet, der Zustand der Wildheit, wo
seine wirtschaftliche Thätigkeit eine rein occupatorische ist. In der
zweiten sucht er die Tiere zu Haustieren heranzuziehen und sie
dauernd seinen Zwecken nutzbar zu machen, wie das besonders in
dem Nomadentume zu Tage tritt. Aber das Hirtenleben kann sich
auch entwickeln an einer bestimmten Scholle, wie das in Deutschland
unzweifelhaft der Fall gewesen ist. Ein wesentlicher Fortschritt liegt
dann in dem Uebergange zum Ackerbau, der sich natürlich außerordentlich
langsam erst zu höherer Leistung entwickelt, aber dem
Fortschritte einen großen Spielraum einräumt. Nach List soll das
ackerbauende Volk allmählich durch eingeführte Manufakturen zu
höheren Lebensansprüchen gebracht, zu anderer Thätigkeit angeregt
and damit genügend gehoben werden, um sich zur vierten Stufe zu erheben,
wo allmählich die stoffveredelnden Gewerbe sich entwickeln, um
anter Ausbildung der Arbeitsteilung im Lande selbst den Bedarf an
Manufakturen zu befriedigen. Auf dieser Stufe ist nach ihm zu seiner