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Kredit,
Produktionsfaktor?
da er bei einem ungünstigen Verlaufe auf Kündigung rechnen muß,
bei einem günstigen ev. weitere Vorschüsse erwarten kann. Je ausgedehnter
die Kreditwirtschaft ist, um so mehr gehen die Interessen
der Bevölkerung Hand in Hand. Wichtiger ist es noch, daß auf
unserer Kulturstufe jeder wirtschaftlich T’hätige mehr oder weniger des
Kredites bedarf, es daher auch in seinem eigenen Interesse liegt, sich
des Vertrauens seiner Mitbürger würdig zu erweisen, um bei ihnen
Kredit zu haben. Ein Jeder fühlt sich unter der Kontrolle aller derjenigen,
die mit ihm in Geschäftsverbindung stehen; jeder Fehlgriff in
seiner Thätigkeit, jeder Ausfall in seinen Einnahmen drohen daher
seinen Kredit zu beeinträchtigen. Ein Jeder wird also durch sein
eigenstes Interesse veranlaßt, seine Thätigkeit mit entsprechender
Vorsicht durchzuführen, um nicht seinen Kredit zu erschüttern. Die
Gesamtheit wird dadurch zu einer soliden Wirtschaft erzogen. Dieses
pädagogische Moment des Kredites fällt namentlich bei den Schultze-Delitzschschen
Genossenschaften erheblich ins Gewicht, wo Jeder solidarisch
für die Verbindlichkeiten des Unternehmens haftet, und von
den Volksbanken das Mitglied größere Darlehen nur auf Grund der
Bürgschaft zweier anderer Mitglieder erhält. Deshalb ist Jeder zur
größten Vorsicht genötigt, um sich einen solchen Ruf zu wahren, daß er
leicht die Bürgschaft anderer Mitglieder erhält, und wiederum gezwungen,
die Lage und Thätigkeit der übrigen fortdauernd zu kontrollieren, um
seinerseits nicht Unwürdigen Bürgschaft zu gewähren. Wer aber den
Kredit bei der Bank verliert, kann ihn sicher von anderer Seite nicht
leicht erwarten und wird in seiner Berufsthätigkeit lahm gelegt.
Aus dem bisher Gesagten ergiebt sich, welche Stellung der Kredit
in der Volkswirtschaft einnimmt, welche Bedeutung ihm zuzuschreiben,
welcher Art seine Wirkung ist. Doch sind die Anschauungen darüber
noch keineswegs völlig geklärt, wenn auch die Gegensätze nicht mehr
30 stark sind, wie sie sich noch vor einigen Dezennien herausstellten.
Der Engländer Macleod und der Amerikaner Perry schrieben dem
Kredit eine unmittelbar Kapital bildende Kraft zu, indem sie meinten,
ne Kreditoperation vermöge selbst Kapital zu erzeugen. Die Ausgabe
von Papiergeld erschien ihnen, wie auch dem Schotten John Law als
ntsprechende Neuschaffung von Kapital auf Grund einer Verwechslung
von Geld und Kapital und einer Gleichstellung der Geldsurrozate
und der Münze. Durch die Ausstellung eines Wechsels für ein
gewährtes Darlehn von 1000 Mk. wird aber offenbar nicht eine Verloppelung
der 1000 Mk. herbeigeführt, obgleich der Wechsel als
Zahlungsmittel benutzt werden kann und dadurch einen volkswirtschaftlichen
Dienst leistet; sondern durch den Wechsel werden die
1000 Mk, zu einer doppelten Funktion gebracht, indem sie in der
Hand des Schuldners zu Zahlungen an Arbeiter in der Fabrik benutzt
werden können, und zugleich der Gläubiger in den Stand gesetzt wird,
über die 1000 Mk, vermöge des Wechsels zu disponieren, um damit
seinerseits einen Gläubiger zu befriedigen. In dem Volksvermögen
sind deshalb immer nur die 1000 Mk. vorhanden, aber sie haben durch
die Kreditoperation eine erhöhte Wirksamkeit erlangt. Dasselbe ist
der Fall bei der Ausgabe von Noten durch eine Bank auf Grund des
Versprechens der Einlösung bei Präsentation der Noten. Die Bank behält
das bare Geld im Kasten und setzt Repräsentanten desselben in Umlauf,
die Note wirkt jetzt im Verkehre genau wie die Münze selbst. Man
nat ein neues volkswirtschaftliches Hilfsmittel damit gewonnen. Aber