Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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durchgeführt; entweder durch Aufstellung bestimmter Normativbestimmungen,
 unter welchen die Banken Noten ausgeben dürfen, oder
durch Centralisierung der Notenemission auf eine oder mehrere besonders
 privilegierte Banken, denen dann gleichfalls durch Gesetz
statutarische Beschränkungen auferlegt sind. Dieses letztere Verfahren
 gewinnt in der neueren Zeit mehr und mehr Boden, und wird
von der Wissenschaft immer allgemeiner als das Richtige anerkannt.
Es hat sich in Europa immer mehr eingebürgert, während die Vereinigten
 Staaten von Nordamerika noch an dem anderen Systeme festhalten.

Die Centralisierung auf eine einzige Bank ist in Frankreich
und Oesterreich durchgeführt, während in Deutschland und
England das sogenannte gemischte System herrscht, wo neben einer
großen Centralbank noch einzelne andere Notenbanken existieren.
Doch ist in beiden Ländern das Uebergewicht der Hauptbank ein
entscheidendes, und die Centralisation nimmt fortdauernd zu.
Für die Centralisation ist vor allem anzuführen, daß nur große
Centralbanken, hinter denen der Staat mit seinen gewaltigen Mitteln
steht, auch in Zeiten der wirtschaftlichen Krisen volle Sicherheit und
der Geschäftswelt eine kräftige Stütze durch Gewährung ausgedehnter
Darlehen verschaffen können. Die kleinen Privatbanken sind in
solchen Zeiten besonders gefährdet und können daher nicht durch
eine erweiterte Notenemission ein größeres Risiko auf sich nehmen.
Sie versagen daher gerade in den Momenten, wo ihre Hilfe am
meisten gebraucht wird, und die Notenemission die einzig mögliche
Hilfe bietet. Dagegen hat vor allem die preußische Bank, wie dann die
Reichsbank sich in hohem Maße bewährt und in Zeiten der Krisen
der Geschäftswelt eine wesentliche Hilfe geleistet. Ja, eine solche
Centralnotenbank erscheint in der Gegenwart, wenigstens in europäischen
Ländern geradezu unentbehrlich. Alle Normativbestimmungen sind
außerdem nicht imstande, die Bankthätigkeit so zu normieren, daß
sie unter allen Umständen der Wohlfahrt des Landes dienstbar gemacht
 wird. Die Macht einer größeren Notenbank ist aber so bedeutend,
 ihr Einfluß auf das Wirtschaftsleben so durchgreifend, daß
es mit Recht als bedenklich erachtet ist, sie wenigen Privathänden
allein zu überantworten, sondern hier muß die Staatsgewalt selbst
leitend eingreifen,
Vorteile Zwei Formen sind hierbei zur Anwendung gelangt. Die eineiner
 Staats- fache Staatsbank oder eine Privatbank, deren Leitung aber der Staat
banken. in der Hand hat. Die letztere Form ist in Deutschland, England
 und Frankreich üblich. Die erste nur in Schweden und
Rußland. Für die Staatsbank ist angeführt, daß das Notenprivilegium
 allein durch den Staat und für den Staat ausgeübt werden
dürfe; indessen wird dieses auch erreicht, wenn die Leitung in der
Hand des Staates ist, und diese haben sich auch in den erwähnten
Ländern mit Privatbanken die Regierungen ausreichend gesichert, indem
 das Direktorium ganz oder zum Teil von der Regierung ernannt
wird und die Aktionäre nur eine beratende Stimme haben. Den Anteil
 am Geschäftsgewinn sichern sich gleichfalls die Regierungen und
überlassen den Aktionären nur einen solchen Anteil, daß er den
TLandeszinsfuß nicht erheblich übersteigt. Unter solchen Umständen
liegt kein Grund zu einer völligen Verstaatlichung vor und der Streit
ist ziemlich bedeutungslos. Für die Konservierung der gegenwärtig
            
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