Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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zu einem höheren Kurse in Aussicht stellte. Dadurch gelang es, schon 
im Juni die Aktien zu einem Kurse von 1000 abzusetzen, 
Um die nötigen Mittel zu sichern, wurde der Notenumlauf allmählich 
auf 400 Millionen erhöht, und die Kompagnie übernahm die General- 
pacht der Steuern, wofür sie dem Staate 1500 Millionen zu 3% zur 
Tilgung seiner fundierten Schulden lieh. Um allen Anforderungen ge- 
recht zu werden, fuhr Law mit der Ausgabe neuer Aktien fort und 
ebenso mit der weiteren Emission von Noten, die schließlich eine 
Milliarde betrugen und noch mit Agio bezahlt wurden, weil man sie 
zum Kaufe der Aktien haben mußte. Die Masse der Aktien, die nun 
auf dem Markte war, ermöglichte einer immer größeren Zahl von 
Menschen sich an der Spekulation zu beteiligen, und nicht nur Paris 
war in eine wahre Spekulationswut geraten, sondern sie hatte sich auch 
in die Provinzen übertragen. Schon bei der Zeichnung der letzten 
300000 Aktien zu 500 Livres wurden dieselben zu einem Kurse von 
5000 abgesetzt, der zeitweise für die alten Aktien auf 18000 stieg. 
Am Ende des Jahres 1719 glaubte Law eine Gewinnverteilung von 
40%, ankündigen zu können, was aber bei dem enormen Kursstande 
im Durchschnitte wenig über 2% ausmachte, wodurch eine Ernüch- 
terung unvermeidlich war. Plötzlich begannen die Aktien zu sinken; 
um sie halten zu können, wird eine weitere Milliarde an Noten aus- 
gegeben, die dadurch gleichfalls plötzlich entwertet werden, und Niemand 
will sie mehr in Zahlung nehmen, Tag und Nacht lagern die Menschen 
vor den Thüren der Bank, um die Noten zu präsentieren, so daß die 
Einlösung überhaupt suspendiert werden muß. Dem Zusammenbruch 
der Lawschen Bank folgte der Bankerott des Staates und eine all- 
gemeine Stockung im Handel und Verkehr. Die größte Börsenkrisis 
war hereingebrochen, die die Welt bisher gesehen hat. 
Beachtenswert ist, daß die Spekulationswut von Paris aus auch 
andere Länder ergriff, wie die Niederlande und England, und natürlich 
mit denselben Folgen. Die englische Südseegesellschaft bot dem Staate 
5 Millionen Pf. St. für das Recht, durch Rückkauf oder durch Aus- 
tausch gegen ihre Aktien die Staatsschulden einzulösen und erlangte 
das Recht Anfang des Jahres 1720. Die ersten Aktien wurden zu 
300 %, die folgenden zu 400 und 500% auf den Markt gebracht, das 
Publikum begann aber sofort in diesen Aktien in extremstem Maße 
zu spekulieren, so daß sie schon im Juni auf über 1000°%, hinauf- 
getrieben waren, und in ähnlicher Weise waren die Aktien der ost- 
indischen Kompagnie, der Bank von England und andere in die Höhe 
getrieben. In wachsender Weise beteiligte sich das große Publikum 
an dieser künstlichen Steigerung des Kurses. Aber schon im September 
desselben Jahres begann der Aktienpreis zu sinken, so daß schon Ende 
des Monats die Südseeaktien nur noch auf 175 standen, und damit auch 
infolge der dortigen Ueberspekulation eine plötzliche Panik und all- 
gemeine Zahlungsstockung, d. h. eine große Spekulationskrise, aus 
brach. 
Eine gleiche Erschütterung des Kredites im ganzen Lande, eine 
allgemeine Zahlungsstockung, ergab sich nach der französischen Revo- 
lution 1794—96 infolge der übermäßigen Ausgabe von Assignaten, 
im Jahre 1790 zuerst mit 400 Millionen, die dann allmählich ins Un- 
glaubliche bis auf 45 Milliarden vermehrt wurden, die natürlich weder 
im Umlauf erhalten, noch jemals vollständig wieder eingelöst werden 
konnten. Sobald das Publikum dies erkannte, sank das Papier im 
Assignaten- 
krisis.
	        
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