Full text : Nationalökonomie (Teil 1)

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gekommen ist, und man muß seine Persönlichkeit und seinen Lebensgang
 kennen, um seinen Schriften gerecht zu werden. Wir treten desaalb
 seiner Persönlichkeit etwas näher. Fr. List wurde am 16. August
1789 in der damaligen freien Reichsstadt Reutlingen in Württemberg
als Sohn eines Handwerkers geboren. Bis zum 14, Jahre besuchte er
die lateinische Schule seiner Vaterstadt und begann zunächst das
Handwerk in der väterlichen Werkstatt zu erlernen. Da er sich dafür
als wenig geeignet erwies, wurde er zum Schreiber bestimmt und in eine
Kanzlei gegeben. Hier kam er schnell vorwärts, so daß er eine Anstellung
 am Oberamt in Tübingen erhielt, die ihm die Möglichkeit
schaffte, Techts- und staatswissenschaftliche Vorlesungen an der Universität
 zu hören, Dort war der damalige Kurator der Universität
von Wangenheim auf ihn aufmerksam geworden, und als er Minister
geworden war, zog er List zu seiner unmittelbaren Mitarbeiterschaft
heran. Beide vereinigten ihre Kräfte, um das verrottete Beamtentum
in Württemberg zu reformieren. Als List 1817 ein vortreffliches
Gutachten über die Gestaltung des staatswissenschaftlichen Unterrichts
abgegeben hatte, berief ihn Wangenheim als Professor der Staatspraxis
 an die neugegründete Fakultät für Staatswissenschaften., Um
das, was er auf dem Katheder lehrte, in weitere Kreise zu tragen,
und bei der Reform der Verwaltung eine Stütze in weiteren Kreisen
zu gewinnen, gründete er 1818 eine besondere Zeitschrift, worin er
die Zustände mit großer Schärfe kritisierte und sich dadurch natürlich
viele Feinde zuzog. Als er auf einer wissenschaftlichen Reise in
Frankfurt a. M. auf Ersuchen einer Anzahl Kaufleute und Fabrikanten
eine Kingabese wegen Aufhebung der Binnenzölle an die Bundesversammlung
 verfaßte und dort gar einen deutschen Handels- und Gewerbeverein
 gründete, dessen Leitung er übernahm, wurde er von der
württembergischen Regierung zur Verantwortung gezogen, weil dieses
Auftreten außerhalb des Landes als über die Kompetenz eines württembergischen
 Beamten hinausgehend angesehen wurde. Er sah sich infolgedessen
 zur Niederlegung seiner Professur veranlaßt und hatte
nun die Freiheit gewonnen, der Regierung noch schärfer entgegenzutreten,
 Die Reutlinger wählten ihn zu ihrem Abgeordneten in die
Ständekammer; die Wahl wurde aber von der Regierung annulliert.
Er wendete nun seine ganze Kraft dem deutschen Handels- und Gewerbeverein
 zu, um vor allem die inneren Zollschranken nach dem
Vorbilde Preußens durch den Tarif von 1818 auch in dem übrigen
Deutschland zu beseitigen. In einer besonderen Denkschrift schilderte
ar die nachteiligen Folgen, welche die 38 Zoll- und Mauthlinien für
den deutschen Handel haben müßten, welche die Waren von Hamburg
bis Oesterreich zu passieren hätten. Um nach dieser Richtung mehr
wirken zu können, gründete er einen Handelsverein mit dem Sitze in
Nürnberg und ein Organ für den deutschen Handels- und Gewerbestand,
 in dem er für die Zolleinigung aller deutschen Staaten eintrat.
Außerdem übernahm es List persönlich, bei den verschiedenen Ministerien,
 besonders in Wien und Berlin, zu wirken, aber zunächst mit wenig
Erfolg. Er sah sich deshalb bald von seinen Auftraggebern verlassen,
lenen er in der uneigennützigsten Weise seine ganze Kraft gewidmet hatte.
1820 trat er als Abgeordneter der Stadt Reutlingen in die
Württembergische Kammer, wo er mit einer sehr scharfen Petition
zegen das dortige Beamtentum auftrat und Reformvorschläge machte.
Da aber in der Kammer die Beamten die Maiorität besaßen. so
            
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