Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

stimmten sie einer Anklage des ‚Justizministers zu, welcher, in seiner 
Eingabe eine Verleumdung der bestehenden Staatsverwaltung und ein 
Staatsverbrechen sah, woraufhin List 1821 aus der Kammer ausge- 
schlossen und vor Gericht zur Verantwortung gezogen wurde. Zu 
zehnmonatlicher Festungsstrafe und Zwangsarbeit verurteilt, entzog er 
sich der Strafe durch die Flucht, reiste drei Jahre in Frankreich, 
England und der Schweiz umher, kehrte dann aber unvorsichtiger 
Weise in die Heimat zurück und wurde auf dem hohen Asperg in 
Festungshaft genommen, aus der er 1825 nur gegen das Versprechen 
auszuwandern entlassen wurde. Unmittelbar darauf ging er nach 
Amerika; dort gelang es ihm schnell, ein angemessenes Arbeitsfeld zu 
finden. In Pennsylvanien entdeckte er neue Steinkohlenlager und 
gründete eine Gesellschaft zur Ausbeutung derselben. Durch die 
Anlage einer verbindenden Eisenbahn wußte er ihr einen besonderen 
Aufschwung zu verschaffen. Hier erkannte er nun die große wirt- 
schaftliche Bedeutung dieses neuen Kommunikationsmittels, und sein 
ganzes Streben ging dahin, in Deutschland dasselbe mit allen Mitteln 
zu verallgemeinern, so daß er suchte, in die Heimat zurückzukehren, 
Die Vereinigten Staaten wollten ihn 1832 in Hamburg zu ihrem Konsul 
machen, doch wußte die württembergische Regierung dieses zu hinter- 
treiben. Gleichwohl kam er 1832 mit seiner Familie nach Hamburg, 
siedelte aber nach einem Jahre nach Leipzig über, wo er sowohl für 
seine Hitterarischen Absichten, wie für den Ausbau eines nationalen 
Eisenbahnsystems einen besseren Boden zu finden glaubte. Er ver- 
öffentlichte dort zu diesem Zwecke eine Reihe von Schriften und 
hatte auch den praktischen Erfolg, den Bau der Leipzig-Dresdener 
Eisenbahn ins Leben zu rufen. Da aber seine Pläne weit über den 
engen Rahmen der Lokalbestrebungen hinausgingen, er stets das 
nationale System im Auge hatte, welches den Privatinteressen der 
einzelnen Bahnen vielfach entgegen war, und er seine Auffassung mit 
großer Rücksichtslosigkeit und Schroffheit zum Ausdruck brachte, so 
war es begreiflich, daß er dem Komitee bald unbequem wurde, und 
man ihn mit einem Ehrengeschenke von 4000 Thalern abschüttelte. 
Zur selben Zeit verlor er durch die Bankkrisis in Amerika sein dort 
erworbenes Vermögen. "Trotz der schlimmen Leipziger Erfahrung blieb 
er in der gleichen Richtung thätig. Durch ein besonderes Kisenbahn- 
journal wirkte er jetzt für den Ausbau des deutschen Eisenbahnnetzes 
und wurde von verschiedensten Seiten als Sachverständiger heran- 
gezogen, so daß er thatsächlich einen großen Einfluß in dieser Hin- 
sicht ausübte, Aber der pekuniäre Lohn, auf den er jetzt angewiesen 
war, blieb aus, und als der Versuch, sich in seiner Heimat nieder- 
zulassen, fehlschlüg, ging er 1837 wieder in das Ausland, und zwar 
nach Paris, wo er 3 Jahre hindurch litterarischer Thätigkeit oblag. 
Als er 1840 nach Deutschland zurückkehrte, gelang es ihm, die 
gerade in Angriff genommene Thüringer Bahn in andere als die bis- 
her projektierten Richtungen zu lenken, wie es der volkswirtschaft- 
lichen Entwickelung Thüringens am besten entsprach. Die juristische 
Fakultät der Jenaer Universität verlieh ihm darauf „wegen seiner Ver- 
dienste um die Sache des deutschen Handelsvereins und des deutschen 
Eisenbahnsystems“ die Doktorwürde honoris causa. 
Im Jahre 1841 erschien sein Hauptwerk, „das nationale System 
der politischen Oekonomie“, worin er in der erwähnten Weise dem 
Smithianismus entgegentrat und einem gemäßigten Schutzzollsystem
	        
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