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als völlig gleichbedeutend behandelt. Sie finden sich z. B. in der
gleichen Bedeutung in kurz nacheinander folgenden Sätzen bei Bruno
Hildebrand in seiner „Nationalökonomie der Gegenwart und Zukunft“
1847. Er spricht z, B. S. 109 von „sozialen Wirtschaftstheorien“,
„Kenntnis der Sozialtheorien“ und den einschlagenden „sozialistischen“
Schriften, aus denen man die erstere entnehmen kann. Später hat in
dem deutschen Sprachgebrauch eine entschiedene Scheidung des Be-
griffes beider Ausdrücke stattgefunden. Sozial ist überhaupt eine ein-
fache Uebersetzung für gesellschaftlich und, wie Rudolf Stammler
es erklärt, als „äußerlich geregelt“ anzunehmen. Unter Sozialismus
versteht man dagegen die KEigentümlichkeit einer ganz bestimmten
Gesellschaftsordnung und zwar einer staatlich organisierten Gesellschaft,
und das Adjectivum „Sozialistisch“ soll eben diese Higentümlichkeit
zum Ausdruck bringen. Wie das in der deutschen Sprache häufig
geschieht, so z. B. bei dem Begriff der Nationalökonomie, daß die
Lehre von einem Gegenstande mit demselben Ausdruck wie der Gegen-
stand selbst bezeichnet wird, so ist es auch bei dem „Sozialismus“ der
Fall. Was aber versteht man nun für eine Ordnung unter einer
sozialistischen? Fürst Bismarck erklärte in einer seiner Reden zu
gunsten des Sozialistengesetzes auf den Einwand, der Ausdruck
zozialistisch sei zu unbestimmt, um ihn: zum Ausgangspunkte einer
Gesetzgebung zu machen: Jeder Wähler habe wohl gewußt, wer Ver-
treter sozialistischer Ideen sei und was damit gemeint werde. Und
das ist unzweifelhaft richtig. Für den gewöhnlichen Verkehr hat sich
der Sprachgebrauch genügend geklärt. Ungemein schwierig dagegen
erweist sich die genaue wissenschaftliche Abgrenzung.
Es soll, wie es bei Pierre Leroux und Reybaud geschieht,
ain Gegensatz zum „Individualismus“. der Ad, Smithschen Lehre
zum Ausdruck gebracht werden. Nicht das einzelne Individuum, son-
dern die gesellschaftlich organisierte Gemeinschaft wird zum Ausgangs-
punkte der Wohlfahrtsbestrebungen gemacht. Diese gesellschaft-
liche Organisation wird innerhalb eines festgefügten Staates verlangt
und vorausgesetzt, und hierin liegt die scharfe Unterscheidung vom
Anarchismus, wie wir sehen werden, Wie weit die Organisation der
Gesellschaft ‘durch den Staat zu geschehen hat, darüber gehen be-
kanntlich innerhalb der sozialistischen Richtung die Anschauungen
wesentlich auseinander.
Aber dieses Moment allein ist nicht maßgebend. Der Sozialismus
verlangt eine ganz bestimmte Organisation, die im Gegensatz zur gegen-
wärtig waltenden steht. Allgemein wird derselbe in der Behandlung
der Eigentumsfrage gesehen, und zwar der Ersetzung des Privat-
eigentums durch Kollektiveigentum, wobei natürlich eine Menge Ab-
stufungen möglich und thatsächlich durchgeführt sind. Notwendig ist
es daher, hier eine Grenze zu ziehen, wo die Anschauung beginnt
sozialistisch zu werden, wo dagegen noch nicht. In England und Nord-
amerika wird jede Forderung der Verstaatlichung von Besitz und
Betrieb ohne weiteres als sozialistisch bezeichnet. Der Vertreter der
Verstaatlichung der Eisenbahnen, Forsten, des Versicherungswesens ist
dort ein Sozialist. Dadurch ist viel Verwirrung herbeigeführt, und
Leute, die jene Länder nicht aus eigener Anschauung kennen, lassen
sich daher durch Schriften, namentlich Zeitungen, verleiten, dort eine
Verbreitung sozialistischer Ideen anzunehmen, die thatsächlich nicht
avietiert. Nach unserem Sprachgebrauche., der hier durchaus korrekt