Full text: Nationalökonomie (Teil 1)

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and daß dieselbe aus Gerechtigkeitsgefühl geändert werden müsse. 
Ueberall überwiegt die wirtschaftliche Seite der Frage, sie bildet den 
Kernpunkt. Die politische wird nur sekundär als Mittel hinzu- 
gezogen. 
Auch die Unterscheidung zwischen Sozialismus und Sozialdemo- 
kratie ist nicht überall eine klare, und zu häufig ist ein Zusammen- 
werfen der Begriffe zu beobachten. Die sozialdemokratische Richtung 
will, wie es der Name besagt, die Volksherrschaft erlangen, um da- 
durch den sozialistischen Staat herstellen zu können. Sie wird durch 
eine politische Partei vertreten, Ein Sozialist wie Rodbertus war 
kein Sozialdemokrat, er setzte voraus, daß sich in der Monarchie und 
Jurch dieselbe der Sozialismus allmählich Bahn brechen würde. Doch 
ist diese Anschauung allerdings nur eine Ausnahme. 
Am wenigsten Klarheit ist bisher über den Begriff des Anarchis- 
mus erzielt. Die neueste und schärfste Definition ist von Eltzbacher 
aufgestellt, der wir in der Hauptsache folgen. Er findet bei den 
hauptsächlichsten Anarchisten als das allein Gemeinsame die Ver- 
neinung des Staates für die Zukunft. Nach der Art aber, wie sie 
den Staat ersetzt sehen wollen, findet er große Unterschiede, wie 
ebenso, wie sie sich die Entwickelung zu ihrem Ziele denken. Mehrere 
der Hauptvertreter des Anarchismus verzichten für die Zukunft auf 
jedes Recht und jedes Eigentum. Diejenigen, welche noch Reste da- 
von auch für die Zukunft annehmen, wollen dasselbe jedoch auf ein 
Minimum reduzieren. Auf diese Weise liegt ein bestimmter Gegensatz 
zum Sozialismus wie zum Individualismus unzweifelhaft vor. der erst 
in den letzten Jahren genügend erkannt ist. 
Wir haben geglaubt, unsere Auffassung hier ausführlicher aus- 
ainandersetzen zu müssen, als es sonst der Oekonomie der Schrift ent- 
spricht, um damit die Grenzen für.unsere Litteraturbesprechung zu 
ziehen und die Einteilung zu rechtfertigen. 
Es ergeben sich naturgemäß mehrere ganz verschiedene Gruppen 
in der in Betracht kommenden Litteratur. Eine besondere Stellung 
aehmen darin die sogenannten „Staatsromane“ ein, Phantasiebilder her- 
vorragender Männer, in denen sie ihr Staatsideal aufstellen und damit 
zugleich Kritik an den eigenen Zeitverhältnissen üben, die somit nach 
zwei Richtungen das Interesse in Anspruch nehmen. 
Erst dann treten wir unserer eigentlichen Aufgabe näher, indem 
wir die ältere sozialistische Litteratur in dem 18. Jahrhundert und 
der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts erörtern, woran dann die Be- 
sprechung der Litteratur des sogenannten wissenschaftlichen Sozialis- 
mus zu schließen ist. Schließlich ist noch ein Blick auf die haupt- 
sächlichsten anarchistischen Schriften zu werfen. 
Sozialdemo- 
kratie. 
Anarchis- 
MNus. 
8 105. 
Die Staatsromane. 
Rob. von Mohl, Die Stantsromane, Zeitschr. f. Staatsw., 1845. Bd. IL. 
E. Kleinwächter, Die Staatsromane. Wien 1891. 
Pöhlmann, Geschichte des antiauen Kommunismus und Sozialismus. München 
1893 u. 2. Aufl. 1900. 
Das erste hierher gehörige Beispiel, welches unzweifelhaft die 
größte nachhaltige Bedeutung erlangt hat, ist das Staatsideal, welches 
Plato in seiner Schrift über den Staat aufstellt, und das hier berück- 
Conrad, Grundrifs der nolit. Oekonomie. TI. Teil. 4. Auß, 23
	        
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