— 356 —-duktion
und Konsumtion sind im großen Ganzen gemeinsam gedacht,
wenn auch Ausnahmen nicht ausgeschlossen sind. Jeder ist verpflichtet,
die Landwirtschaft zu betreiben und außerdem irgend ein
Handwerk zu erlernen. Zum Betriebe der Landwirtschaft werden die
nötigen Personen auf zwei Jahre kommanundiert, worauf sie in die Stadt
zurückkehren und durch andere ersetzt werden. Jeder ist zur Arbeit
verpflichtet, mit Ausnahme der Beamten und derjenigen, welche auf
Empfehlung der Priester vom Volke dispensiert werden, um sich der
Kunst und Wissenschaft zu widmen. Die Arbeitszeit ist auf 6 Stunden
beschränkt. Das müsse hinreichen, wenn jeder Luxus verbannt, der
Arbeit die möglichste Annehmlichkeit beigelegt wird und Müßiggänger
nicht vorhanden sind. Niedere Arbeiten sollen, wie erwähnt, Sklaven
vorbehalten sein; das sind Sträflinge und Kriegsgefangene, zu denen
eventuell auswärtige Lohnarbeiter hinzugezogen werden,
Die Produktion wird associationsweise durchgeführt, das Ergebnis
ist an Staatsmagazine abzuliefern, aus denen den Haushaltungen das
Nötige und natürlich völlig gleichmäßig zugeteilt wird. Die Regelung
der Gütererzeugung und Güterverteilung im ganzen Lande hat der
Senat zu leiten und zu beaufsichtigen. Auch die einzelnen Städte
haben sich gegenseitig zu ergänzen und zu unterstützen. Der Handel
mit dem Auslande wird auf ein Minimum reduziert. Reisen im Auslande
sind verboten, dagegen ist Auswanderung überschüssiger Bevölkerung
als notwendig anerkannt.
Außerdem ist zu bemerken, daß unbedingte religiöse Toleranz
ausgesprochen ist. Doch kann nur Beamter werden, wer an eine
Seele und an eine Fortdauer nach dem Tode glaubt. Die Priester
werden wie die anderen Beamten gewählt,
Mit Recht sagt Robert von Mohl, daß für die damalige Zeit
der Gedanke der Priesterwahl, Beseitigung der Stände einen größeren
Gegensatz zu den allgemeinen Anschauungen ausmachte, als die Forderung
des modernen Sozialismus auf Beseitigung des Privateigentums. Wesentlich
ist ferner die Unterdrückung des HErwerbstriebes, der ersetzt
werden soll durch Arbeitszwang, was sich in jedem sozialistischen
Staate als notwendig herausstellen muß, worüber aber die modernen
Schriftsteller gerne stillschweigend hinfortgehen. Das Endergebnis ist
wohl eine angemessene Fütterung der ganzen Bevölkerung, aber auch
die größte Oede und Gleichförmigkeit, da es an jeder Abwechselung
fehlt. „So wie jemand eine aus den Städten wohl gesehen und erkannt
hat, der kennet die anderen alle, also seien sie einander durchaus
gleich“. Morus hofft darüber durch Erziehung und Bildung
Aller, welche die ausgedehnte Muße ermöglicht, hinforthelfen zu
können.
Sonnenstaat Der nächstfolgende Versuch, der für uns Interesse hat, ist der
des Campa- des kalabresischen Dominikanermönches Campanella, der als Feind
nella. ger spanischen Herrschaft 25 Jahre im Kerker schmachtete und dort
die Schrift „Civitas solis, vel de rei publicae idea dialogus poeticus“
1630, zweite Ausgabe Paris 1637, verfaßte. Er schließt sich enger
als Morus an Plato an und beschränkt den Staat auf eine Stadt.
Er bekundet aber seinen geistlichen Standpunkt durch Einrichtung
einer strengen hierarchischen Ordnung, alle geistliche und weltliche
Gewalt ruht in den Händen eines gewählten Groß - Metaphysikers,
unter dem Beamte als Vertreter der Weisheit, Stärke und Liebe
fungieren. Auch er will völligen Kommunismus durchgeführt haben,