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der Hofstaat, Klerus und oberste Beamte plötzlich von der Bildfläche
verschwänden, oder 3000 der größten Gelehrten und Industriellen. Er
beantwortet sie dahin, daß der Verlust der letzteren weit mehr zu beklagen
sein würde, Er wurde deshalb verklagt, aber von den Geschworenen
unter großer Teilnahme des Publikums freigesprochen.
Konsequenterweise hält er es für nötig, daß sich das Königtum auf die
produktiven Kräfte stützt. Die Gescheutesten der Ackerbauer, Kaufleute
und Fabrikanten sollten die Staatsverwaltung in die Hände bekommen.
Er untersucht historisch, warum sich dieses natürliche Verhältnis
bisher nicht entwickelt hat. In alter Zeit hat der grundbesitzende
Adel die Gewalt in die Hand zu bekommen vermocht, unter
Ludwig XI. bildet sich mehr die absolute Monarchie aus, unter
Ludwig XIV. entwickelt sich die Industrie; damit steigt der internationale
Verkehr; das Geld gewinnt an Bedeutung, und der Besitzer des
Geldes erhält an Stelle des alten Adels die politische Macht, die dieser
früher gehabt hat. Neben diesen treten aber die L6gistes, das sind die
Advokaten, Schriftsteller etc. auf, die mit jenen die Mittelklasse bilden
und die Vertreter des reinsten Egoismus sind. Sie sagen zu den
Industriellen: „OÖte-toi, que je m’y mette‘“ und reißen thatsächlich die
Gewalt an sich, während die „Industrielles‘““ wieder die Herrschaft in
die Hand bekommen müssen,
In seinem letzten Werke entwickelt er seinen religiösen Standpunkt.
Das einzige und wahrhaft göttliche Prinzip im Christentum
liegt nach ihm in dem Satze: Die Menschen sollen sich wie Brüder
lieben. Die katholische Kirche habe diesen Satz viel zu sehr ignoriert,
zum Teil in das Gegenteil umgekehrt. Der Protestantismus suchte
ihn wieder zu Ehren zu bringen, sei aber auf halbem Wege stehen
geblieben und habe keinen Einfluß, auf die Massen. Der Hauptfehler
des Christentums sei die Erklärung „sein Reich sei nicht von
dieser Welt“, Saint-Simon hält sich für berufen, eine neue Religion
zu stiften, welche auf die christliche Brüderlichkeit basiert ist und
sowohl den geistigen, wie fleischlichen Bedürfnissen Rechnung trägt.
Die Ignorierung der letzteren durch das Christentum habe dasselbe zur
Wirkungslosigkeit verdammt. Wie die Regierungsgewalt aufzubauen,
ist ihm selbst keineswegs klar. Von der Volkssouveränität will er
ebenso wenig wissen, wie von der schrankenlosen Freiheit des Einzelnen.
Er bekämpft nicht das Privateigentum und strebt keineswegs absolute
Gleichheit an, so daß man ihm von unserem Standpunkte aus kaum
sozialistische Tendenzen zuschreiben kann, sondern nur liberalreformatorische.
Gleichwohl haben seine Schüler auf seinen Lehren den
Sozialismus aufgebaut.
Die nachhaltige Bedeutung Saint-Simon’s liegt in seiner Einwirkung
auf seine Schüler, die wenigstens zeitweise seiner Lehre eine
große Verbreitung verschafften. Wir erinnern daran, daß auch
Alexander Herzen, der Herausgeber des „Kollokol“ und der langjährige
Führer des russischen Sozialismus in seinen Memoiren ausdrücklich
angiebt, daß den größten Einfluß auf ihn das neue Testament
and Saint-Simon’s „Nouveau christianisme“ ausgeübt haben, und
daß er sich als einen Schüler Saint - Simons ansieht, In Frankreich
haben unmittelhar nach dem Tode des Letzteren zwei seiner Schüler, Bazard
und Enfantin, in einer besonderen Zeitschrift „Le producteur“
seine Lehre zu systematisieren und auszubauen getrachtet. Bazard
hielt von 1828 bis 1830 öffentliche Vorlesungen über die Lehre Saint-Der
Saint-Simonismus
Bazard.