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Ausartung der Damit ist natürlich nicht gesagt, dass alle Anforderungen jener
Bewegung. Klassen als berechtigt anzuerkennen sind. Vielmehr muss betont
werden, dass auf der an und für sich gesunden und naturgemässen
Bewegung sich Auswüchse herausgebildet haben, die als schädlich
zu bekämpfen sind, und dass mit derselben auch Gefahren tiefgreifendster
Art verbunden sind, deren Bekämpfung eine ebenso grosse Aufgabe
für Staat und Gesellschaft bildet. So unterliegt es keinem Zweifel,
dass die Lebensansprüche freilich nicht nur in den unteren, sondern in
allen Schichten der Bevölkerung über das richtige Mass hinaus gewachsen
sind, und dass sich eine zu materielle Genusssucht ausgebildet
hat, die nur als ungesund bezeichnet werden kann. Damit geht Hand
in Hand die Entwicklung von Neid und Missgunst gegen die besser
Situierten, wodurch der begründete Klassengegensatz eine unbegründete
und beklagenswerte Verschärfung erfahren hat. Die Ursache dieser
Erscheinung ist, wie gleichfalls schon früher angedeutet, in der verbreiteten
Halbbildung und Irreligiosität der Masse zu suchen und der
damit verbundenen Haltlosigkeit und Neigung zur Unzufriedenheit.
Denn um ohne religiösen Halt den Unbilden des Lebens gewachsen zu sein,
und sich mit Resignation in schwere Lebenslagen zu fügen, dazu gehört erfahrungsgemäss
eine Charakterstärke und philosophische Durchbildung,
wie sie nur wenige bevorzugte Menschen zu gewinnen vermögen und der
grossen Masse der Bevölkerung nicht verschafft werden kann. Dazu kommen
Unterlassungs-erhebliche Versehen von Seiten der Staatsgewalt, wie von Seiten der bevorsünden
der zugten Klassen, die wesentlich zu Verschärfung der Gegensätze beigetragen
Arbeitgeber. haben, In letzter Hinsicht heben wir das Vorbild übertriebenen Luxus
der Reichen hervor und das Unterlassen entsprechender Konzessionen an
die Arbeiterbevölkerung, wie sie der zunehmende Wohlstand ermöglichte.
Die meisten Arbeitgeber dachten gar nicht daran, eine Lohnerhöhung
eintreten zu lassen, als infolge der Einführung der Maschinen die
Leistung jedes einzelnen Arbeiters bedeutend gestiegen war, und der
Gewinn der industriellen Unternehmungen sich ausserordentlich erhöhte.
Auch bei dem fortdauernden Steigen der Lebensmittelpreise und der
wesentlichen Steigerung des Ertrages des Grund und Bodens wurde
die Lage der ländlichen Arbeiter nicht verbessert. Die Löhne z. B.
im Buchsetzergewerbe, (von Strassburger und Schwetschke nachgewiesen),
wie in der Landwirtschaft sind in Deutschland mehr als
100 Jahre bis in die Mitte des letzten Jahrhunderts unverändert geblieben,
obwohl ihre Kaufkraft sich allmählich verminderte. So lange
es dem Arbeiter an jeder Organisation und damit an der Macht fehlte,
eine Lohnerhöhung zu erzielen, geschah von keiner Seite etwas für
seine Hebung. Nur dem intensiven Druck der zunehmenden Macht
der Arbeitermassen ist die Lohnerhöhung in der zweiten Hälfte des
letzten Jahrhunderts zu verdanken und das Versäumte in verhältnismässig
kurzer Zeit nachgeholt. Kein Wunder, wenn die Arbeiterbevölkerung
sich dann für berechtigt hält, von ihrer Macht Gebrauch zu
machen, und vor allem danach strebt, ihre Macht zu vergrössern.
Ein zeitweiliger Missbrauch derselben ist dann bei der immerhin
noch rohen Arbeiterbevölkerung wahrlich nicht zu verwundern.
Es darf nicht unterlassen werden, auch darauf aufmerksam zu
machen, dass die nationalökonomische Wissenschaft den Arbeitgeber
in seinem rücksichtslosen Vorgehen bestärkte, indem sie die Lohnent-