Full text : Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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praktischen Aufgaben zur Besserung der Lage der arbeitenden Klassen
zum alleinigen Ziele stellten, sondern Nebenbestrebungen politischer
oder religiöser Art verfolgten. Dadurch machten sie, was die Hauptsache
 war, eine allgemeine Vereinigung der Arbeiterklasse unmöglich
and schlossen die natürliche berufliche Gliederung teils aus, oder erschwerten
 sie wesentlich. Bald war es der politische Parteistandpunkt,
bald die Konfession und die Stellung zu derselben, welche die Aufnahme
 bedingten. Eine den englischen ähnliche und ebenbürtige
Arbeitervereinigung finden wir dagegen in dem bereits erwähnten Buchdruckerverband,
 auf den wir deshalb später etwas näher eingehen wollen.
Die Beseitigung des Sozialistengesetzes hatte sich doch schliess- Sozialdemokr,
lich als notwendig herausgestellt und wurde am 1. Oktober 1890 aus-Bewegung Bei
gesprochen, weil man einen Ausnahmezustand in unserer Zeit unmöglich 1890,
in Permanenz erklären kann, und weil die Arbeiterschaft begann, geheime
 Verbände zu schliessen, welche unter den unscheinbarsten Titeln
und statutarischen Bestimmungen, als Bildungsvereine etc. alle die gleichen
 Bestrebungen der Opposition gegen die Arbeitgeber und die Regierung
 zeigten. Unmittelbar darauf wurde auf einer in Berlin tagenden
Konferenz der sozialdemokratischen Gewerkschaften die Generalkommission
 der Gewerkschaften Deutschlands als Zentralinstanz in Hamburg
eingesetzt, mit der Aufgabe eine zentralisierte Organisation der Arbeiter
nach allen Richtungen hin zu erstreben. Ihre Wirksamkeit war von
wesentlichem Erfolge gekrönt, da die Vorbereitungen dafür unter der
Hand noch unter der Wirkung des Sozialistengesetzes vor sich gegangen
 waren. Schon auf dem 1892 abgehaltenen Gewerkschaftskongress
waren 208 Abgeordnete als Vertreter von 305000 Mitgliedern gegenwärtig.
 Die Zahl der Zweigvereine ist inzwischen auf gegen 6800 mit
einer halben Million Mitglieder angewachsen, Ihre Einnahmen wurden
1898 auf 5!/, Millionen Mk. veranschlagt und aus ihrer Wirksamkeit
ist am besten zu ersehen, was für Aufgaben sie sich gestellt haben.
Es wurden ausgegeben für Rechtsschutz 43000 Mk., Unterstützung für
Gemassregelte 40000 Mk.; Reiseunterstützungen 283 000 Mk.; Arbeitslosenunterstützungen
 275000, Krankenunterstützung 491 000, Invalidenunterstützung
 80000, Beihülfe in Not- und Sterbefällen 78000; für
das Verbandsorgun 519 000, Strikeunterstützungen 1073000, Verwaltungskosten
 306 000, Kassenbestand 4,4 Millionen Mk.
Es ergiebt sich aus diesen Zahlen einmal, dass die insgesamt in
Betracht kommenden Summen verhältnismässig gering sind, und dass
die Gelder eine gewaltige Zersplitterung erfahren. Die Aufwendung
von einer Million Mk. für Strikes für ganz Deutschland fällt sehr
wenig ins Gewicht. Hierbei ist besonders zu beachten, dass durch
die Ausbildung der Arbeiterversicherung von seiten des Reichs der
Vereinsthätigkeit ein Hauptgebiet fast, wenn auch nicht ganz entzogen
ist, welches in England die eigentliche Basis der "Trade-Unions ausmacht.
 Daher sträubten sich auch vor allen Dingen die Hirsch-Dunker’schen
 Vereine zunächst mit der grössten Energie gegen diese
Gesetzgebung, die dem Prinzip der Selbsthülfe, auf welches sie sich
vor allen Dingen stützen, entgegen war. Im Laufe der Zeit haben
sie, wie auch die sozialistischen Vereine ihre Opposition mehr und
mehr aufgegeben, und wie sich aus den Zahlen ergiebt, auf die Ergänzung
 der Staatshülfe Gewicht gelegt. Während die Hirsch-Dunkerschen
            
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