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grössere Auswahl zu gewähren. Ja es liegt häufig, wie wir sahen,
sogar der Schwerpunkt in dieser Händlerthätigkeit, wenn der Uhr-
macher, der Klempner ein Warenlager hält und sich selbst in der
Hauptsache auf Reparaturen beschränkt. Der Fabrikant schickt seine
Reisenden umher, um nach Muster Bestellungen anzunehmen, oder er
beschiekt mit seinen Waren die Messen, um dort unmittelbar an Kauf-
leute oder Konsumenten zu verkaufen. Auch hier geht die Entwicklung
in Deutschland auf eine Verminderung der Arbeitsteilung hin, indem
die Fabrikanten durch Annoncen und Reisende unmittelbären Absatz an
die Kunden zu erreichen suchen. In diesem letzteren Falle aber bleibt
der Fabrikant in seiner Sphäre. Kr verkauft nur das eigene Fabrikat
und steht damit in einem Gegensatz zum Kaufmann. Der Sprachge-
brauch ist allerdings hier nicht genau, und auch. die Gesetzgebung
scheidet hierin nicht strenge. Der Fabrikant wird zugleich als Kauf-
mann nach dem Handelsgesetzbuche angesehen und nach dem Handels-
gesetze behandelt. Van der Borght hat deshalb zwischen Fabrik-
handel und Kaufmannshandel geschieden, doch scheint uns dieses nicht
glücklich, weil, wie wir zu zeigen suchten, in jedem Produktionszweige
auch kaufmännischer Handel vorkommt. Es kommt nur darauf an,
worin der Schwerpunkt der Erwerbsthätigkeit liegt, ob in dem Handel
oder in der Produktion. Der selbständige Handel als Beruf hat sich
unter Ausbildung der Arbeitsteilung entwickelt und gewinnt eine um
so grössere Bedeutung, je mannigfaltiger und komplizierter sich einer-
seits der Bedarf, andererseits die Produktion gestaltet.
Die Aufgabe des Handels ist, zwischen Produzenten und Kon-
sumenten zu vermitteln, soweit die direkte Beziehung sich als unthun-
lich oder schwierig erweist. Der Händler hat Vorrat und Bedarf nach
Ort und Zeit auszugleichen und in ein richtiges Verhältnis zu bringen.
Er bezieht das Getreide aus den verschiedensten Himmelsgegenden,
um die grossen Städte, resp. die grossen Mühlen damit zu versorgen.
Er speichert es auf, um gegen Ende des Erntejahres Vorräte zu haben
und keinen Mangel eintreten zu lassen, bevor die neue Ernte zum Ver-
brauche reif ist.
Richard Ehrenberg hat nun scheiden wollen zwischen Handel
und Spekulation. Handel liegt nach ihm vor, wo es sich um die Öört-
liche Ausgleichung handelt, Spekulation, wo die zeitliche Vorsorge ge-
troffen wird. Mit Recht hat Cohn dagegen erwidert, dass beide
Thätigkeiten nicht zu trennen sind. Schon der einfache Krämer
ist nach beiden Richtungen thätig und erfüllt wirtschaftliche Auf-
gaben in beiderlei Hinsicht. und jeder Produzent ist zu spekulieren
genötigt.
Damit ist aber zugleich eingeräumt, dass die Thätigkeit des Kauf-
mannes nach beiden Richtungen wirtschaftliche Bedeutung hat.
Man hat ferner unterschieden zwischen den Gewerben des Han- Handel und
dels und des Verkehrs. Man wird die letzteren als Hilfsgewerbe Verkehr.
des Handels bezeichnen müssen, wie dergleichen noch mehrere existieren,
wir brauchen nur an die Agentur und Kommissionsthätigkeit zu er-
innern, welche ebenso wie die Spedition von dem Handel benutzt
wurden. Auch hier haben wir es mit den Ergebnissen erweiterter
Arbeitsteilung zu thun, indem Thätigkeiten, die ursprünglich vom
Kaufmann besorgt wurden, als selbständige Gewerbe vom Handel sich
YJonrad, Grundriss d. nolit. Oekonomie. II. Teil. 3. Aufl. Du