Full text: Volkswirtschaftspolitik (2.1902)

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stellung in Konflikt kommen, da häufig diejenigen ihre Konkurrenten 
sind, denen sie zur Seite zu stehen haben; und ebenso steht zu be- 
fürchten, dass ihnen die Interteressen ihres Wohnortes näher am Herzen 
liegen, als die des Landes, das sie offiziell zu vertreten haben. 
Die Berufskonsuln sind dagegen Staatsbeamte, die vum auswärtigen 
Amte ressortieren und im Auslande postiert sind, gewissermassen als 
verlängerter Arm der heimischen Verwaltung. Sie haben die wichtige 
Aufgabe, das Ministerium über alle Fragen zu orientieren, welche für 
die Handelsbeziehungen der betreffenden Länder von Wichtigkeit sind. 
Diese Konsulatsberichte werden seit lange in England und Amerika, 
so weit sie von allgemeinem Interesse sind, gedruckt und der Oeffent- 
lichkeit übergeben. Sie sind von grösster Bedeutung für den expor- 
tierenden Handelsstand. Leider ist in Deutschland die Verwertung 
der Konsulatberichte noch eine ausserordentlich unvollkommene. Dies 
ist darauf zurückzuführen, dass als Berufskonsuln fast ausschliesslich 
rein juristisch ausgebildete Beamte angestellt werden, denen es bei 
ihrer ganz einseitigen Ausbildung an der nötigen volkswirtschaftlichen 
und kaufmännischen Uebersicht fehlt. Ausserdem sind dieselben durch 
die laufenden Verwaltungsarbeiten so in‘ Anspruch genommen, dass 
sie zu weitgehenden Studien und Berichten in der Regel nicht die 
nötige Zeit haben. Die Berichterstattung über wichtige handelspoli- 
tische Fragen wird ausserdem hauptsächlich den Gesandtschaften vor- 
behalten, deren Personal in der Regel die nötigen Grundlagen noch 
in höherem Masse fehlen, als den Konsuln. Was aber von wertvollen 
Berichten an die Ministerien gelangt, bleibt dort in der Hauptsache in 
den Akten vergraben und gelangt nicht zur angemessenen Verwertung, 
Nur Einzelheiten kommen in dem Zentralorgan, „dem Handelsarchiv“ 
und den „Nachrichten für Handel und Industrie“, welche neuerdings 
von dem Reichsamt des Innern herausgegeben werden, zur allgemeineren 
Kenntnis des Kaufmannstandes. 
Die Entwicklung des Konsulatswesens in Deutschland ergiebt sich 
aus folgenden Zahlen: 
1872 gab es 556 Konsulate, darunter 29 Berufskonsulate. 1897 
gab es 697 Konsulate, darunter 92 Berufskonsulate. Das Personal 
bestand in dem letzteren Jahre aus 20 Generalkonsuln, 364 Konsuln, 
222 Vizekonsuln, 105 Konsularagenten, 21 Handelsattach6es. 
Zur Vertretung des Handelsstandes im Innern des Landes sind 
die Handelskammern, mitunter auch Handels- nnd Gewerbekammern 
berufen, die sich gegenwärtig in den meisten in Betracht kommenden 
Staaten finden. In Deutschland sind an ihrer Stelle mitunter von 
der Kaufmannschaft selbst gewählte Ausschüsse (Aelteste der Kauf- 
mannschaft) thätig. Ihre Organisation ist in den verschiedenen Län- 
dern sehr ungleich. In Grossbritannien .und den Vereinigten 
Staaten sind sie frei gewählte Vereinigungen ohne offiziellen Cha- 
rakter. In den Hansestädten sind sie dagegen staatliche Behörden. 
In den meisten Ländern haben sie Ööffentlichrechtlichen Charakter, 
Die Mitglieder werden im allgemeinen von den im Handelsregister ein- 
getragenen Firmen gewählt, da aber auch die industriellen Betriebe im 
Handelsregister eingetragen werden, so sind sowohl Handel als Industrie, 
allerdings lokal in verschiedenem Verhältnis, in ihnen vertreten, Die 
Handelskammern schaffen sich selbst für die laufenden Geschäfte ein 
Yandels- 
-ammern.
	        
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