Object: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Neuntes Buch. Erstes Rapitel. 
Friedrich ging nach Como zurück, dem Sammelplatz des 
deutschen Heeres; halb verzweifelt ließ er sich bald darauf in 
einen Kampf mit den Lombarden ein, gegen die Ansicht seiner 
Getreuen, ohne auch nur die immer noch herbeieilenden Kontin⸗ 
gente seines Heeres abzuwarten. Anfangs glückverheißend, endete 
die Schlacht von Legnano, am 29. Mai 1176, mit einer völligen 
Niederlage der Kaiserlichen; Friedrich selbst stürzte verwundet 
mit dem Rosse und schlug sich nur in abenteuerlicher Flucht 
nach Pavia durch. 
Die Schlacht von Legnano hatte bewiesen, daß Friedrich 
mit kriegerischer Hilfe des Episkopates allein die Lombardei 
nicht beherrschen konnte. Die Untreue Heinrichs des Löwen 
ließ den Versuch, die militärische Beherrschung mit Hilfe der 
Laienfürsten durchzuführen, aussichtslos erscheinen. Es blieb 
nur eine Möglichkeit: Friedrich mußte die freieren geistigen 
Kräfte der Kirche zu Hilfe nehmen, um Alexander zu befriedigen 
und durch ihn die Lombarden zu gewinnen. Und schon gab sich 
in der deutschen Kirche allenthalben das tiefempfundene Bedürfnis 
nach Frieden mit dem Papste kund. 
Friedrich besaß den staatsmännischen Blick, diese Lage zu 
erkennen, und die Energie der Selbstverleugnung, seiner Er— 
kenntnis zu folgen. Noch im Herbst 1176 reisten die Erzbischöfe 
Christian von Mainz und Wichmann von Magdeburg sowie der 
erwählte Bischof Konrad von Worms nach Anagni, um Ver— 
handlungen mit dem Papst zu eröffnen. Sie führten rasch zum 
Ziele, so weit es sich um die Lösung allein der strittigen Punkte 
zwischen Kaiser und Papst handelte: Alexander III. sollte als 
rechtmäßiger Papst anerkannt werden, der Kaiser sollte verzichten 
auf die staatliche Hoheit im Patrimonium Petri und den Besitz 
des mathildischen Allodialguts, Alexander III. dagegen hatte 
sich die bisherigen schismatischen Besetzungen von Kirchenämtern 
als rechtmäßig geschehen anzueignen. Es waren freilich starke 
Zugeständnisse des Kaisers. Andererseits aber setzte dieser es 
durch, daß sehr gegen den Wunsch des Papstes weder Lom— 
barden noch Sizilianer in die Verhandlungen dieses Präliminar— 
friedens einbezogen wurden; ja es gelang ihm jetzt wie auf weiteren
	        
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