Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

4. 
Neuntes Buch. Erstes Kapitel. 
Zunächst zog der Mainzer Erzbischof Christian im Jahre 1171 
über die Alpen. Er fand die Verhältnisse für einen Eingriff 
des Kaisers leidlich günstig. Zwar hatte sich der lombardische 
Städtebund nun vollends befestigt: fast alle größeren Städte, 
zwischen dreißig und vierzig, waren ihm zugefallen, und neben 
ihnen war unter dem Segen des Papstes noch eine neue Stadt 
am Tanaro entstanden, Alessandria, eine Schöpfung der mit 
dem kaiserlichen Regiment unzufriedenen Bevölkerung Piemonts 
und der oberen Pogegend. Aber andererseits war die große 
Verbindung aller Mittelmeermächte, Siziliens und Roms, des 
zriechischen Reichs und Venedigs, die dem Kaiser während seiner 
zweiten Romfahrt entgegengetreten, doch schon wieder gelockert, 
wenn auch Kaiser Manuel noch immer mit Alexander III. über 
die Vereinigung der weströmischen und oströmischen Krone auf 
seinem Haupte, eine vanitas vanitatum!, verhandelte. Dazu 
drohte Handelseifersucht auch in den lombardischen Städtebund 
Bresche zu legen; der natürliche Gegensatz zwischen Venedig 
einerseits, Genua und Pisa andererseits machte sich dauernd 
fühlbar. 
Hier setzte Christian ein. Er gewann Genua für das 
deutsche Interesse, bald folgten Pisa, Lucca, Pistoja: Tuscien 
war gewonnen, die italienische Westküste von Rom bis zum 
alttreuen Montferrat von deutschen Interessen beherrscht. 
Unter diesen Umständen, während Christian auch an der 
Ostküste Fuß zu fassen versuchte, entschloß sich der Kaiser, von 
neuem persönlich gegen die Lombarden zu kämpfen. Er zog 
über den Mont Cenis in das savoyische Land, zerstörte Susa, 
ritt in Turin ein, sammelte die kriegerischen Hilfsscharen des 
italienischen Westens und zog dann gegen Alessandria; die 
Papststadt sollte zuerst seine strafende Hand fühlen. Aber der 
Ort war fest; hartnäckig ward er verteidigt; dem Kaiser ge— 
lang es nicht, ihn zu nehmen, ehe ein Entsatzheer der Lombarden 
herbeirückte. Mitte April 1175 mußte Friedrich sein Lager 
abbrechen, um den Lombarden entgegenzutreten; er traf sie 
Doeberl, Monumenta Germ. selecta 4, 199.
	        
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