270 Zweites Buch. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft.
das einzelne. In England ging die Bevölkerung 1871 591 in 11 Grafschaften um
10— 160640 in 28 um 5—80s0 absolut zurück; in den drei Getreidegrafschaften Norfolk,
Suffolk, Esser 18853191 um 18,8/0, in vier westlichen, jetzt überwiegend als Weide—
grafschaften charakterisierten 1841 91 um 22,80,0. Ebenso zeigt sich bei uns neuerdings
in vielen der östlichen agrarischen Distrikte, für Frankreich in zahlreichen Departements
eine absolute Abnahme; dort klagte man schon im 18. Jahrhundert über die Landflucht.
Die absolute oder relative Abnahme der Landbevölkerung ist außerhalb Europas
kaum vorhanden, in Europa ist sie sehr verschieden, aber fast überall zu konstatieren;
am stärksten in England und Frankreich. Der Eintritt der ganzen Veränderung isi
nicht vor 1840 -50 zu setzen, d. h. nicht vor die Zeit der modernen Verkehrsmittel.
Natürlich kam auch vor 1840 wesentlich in Betracht, ob und in wie weit eine Zunahme
der landwirtschaftlichen Bevölkerung im einzelnen noch nach Boden, vorheriger laͤndlicher
Bevölkerung, Besitz- und Pachtverhältnifsen, unbebautem Land möglich war. Daß eine
solche bis in die Mitte unseres Jahrhunderts vielfach vorkam, beweisen folgende An—
gaben. In der Kurmark hatte 1748-86 das platte Land jährlich um 1,28, die
Städte (ohne Berlin) um 0,48 0/0 zugenommen; in dem Jahrhundert 1748 —1846 stieg
das platte Land der Kurmark um 28300, die Städte (ohne Berlin) um 261, also fasßt
gleich. Bis in die vierziger Jahre nahmen von allen preußischen Provinzen die östlichen
Pommern, Preußen), ůüͤberwiegend ländlichen, am meisten zu; von 1829 —86 blieb in
Belgien das Verhältnis von Stadt und Land fast gleich, in Holland nahm noch
1839 —-49 das platte Land etwas mehr zu.
Wie sehr man neben der Frage der prozentualen Zu- und Abnahme von Stadt
und Land die absoluten Zahlen der Landbevölkerung im Auge behalten muß, wenn man
die sogenannte Landflucht, die gewiß in manchen Gegenden großen und bedenklichen
Umfang neuerdings angenommen hat, richtig schätzen will, lehren die folgenden Zahlen.
Sie geben die landwirtschaftliche Bevölkerung auf je 100 Hektar landwirtschaftlicher Fläche:
im Regierungsbezirk Gumbinnen
⸗ Stettin ..
in der bayerischen Pfalz. ..
im württembergischen Neckarkreis
Also überall eine Abnahme der absoluten Zahlen; aber es bleibt jedenfalls in den
Gegenden des Kleinbesitzes ein genügender Bestand. Und man sieht, daß in erster Linie
die übermäßige Anhäufung des Grundbesitzes in wenigen Händen die Landbevölkerung
im deutschen Osten absolut zu klein macht.
Wie mäßig in der Zeit vor den Eisenbahnen die Zunahme auch besonders glück—
lich gelegener, industriell oder durch Handel hervorragender Städte gegen später war,
mögen folgende Zahlen lehren, die freilich nicht nur die Zunahme der alten Städte,
sondern auch die Einverleibungen von Vororten wiederspiegeln:
Es hatten Seelen:
1882 1895
54,00 47,7 Personen,
10383 36
906 871
123.4 116.3
Danzig
Leipzig Maadeburg
Breslaun“ Nürnbera! Köniasberg
Hamburg
1600 20000
1700 100 000
20 34000
1750 30000 1740 15 000 1757 84000 1745 40000
800 31900 1808 80 1817 6 800
810 303 840 24766 1847 47 000
1890 119714 is 358 331438 3 33 334710 1890 3331888 18—
—
1735 42000
1750 53 000
1802 56000
1837 69600
1842 160 0900
862 210000
1890 569260
1900 705 738
.Von den englischen Städten freilich sind
Hälfte des 19. Jahrhunderts erheblich gewachsen.
viele schon im 18. und in der ersten