Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

Germanisation der Lande zwischen Elbe und Oder. 3383 
Prag; an die goldene Stadt an der Moldau ist ihre älteste 
Geschichte geknüpft, die sagenhafte wie die erlogene; der Wisse⸗ 
hrad trug ihr nationales Heiligtum. Ostlich von den Cechen 
wohnten, wie jetzt noch, die Mähren; den Cechen sprachlich zu— 
gehörig, saßen sie ausgangs der Karlingerzeit noch südlich bis 
zur Donau und im heutigen Ungarn, ihre Hauptburgen waren 
Neutra und Theben bei Preßburg. 
Von den Karpathen bis zu den öden Bruchländereien der 
Warthe und Netze sowie zu den Grenzen der Preußen, und 
westlich vom Riesengebirge dem Queiß und der Oder bis zum 
Osten der russischen und litauischen Grenzwildnisse saßen die 
Polen, ein Volk, dessen erstmalige politische Einigung völlig im 
Dunkel liegt: nur Sagen berichten, daß die Piasten von Gnesen 
aus die Einheit herstellten, bis das Reich unter Herzog Miesko 
in der zweiten Hälfte des 10. Jahrhunderts als fertiger Staat 
emportaucht. 
Anders und weit früher als die großen slawischen Binnen— 
länder erscheint Pommern, das baltisch-slawische Land nördlich 
der meilenweiten Brüche der Warthe und Netze, kultiviert, 
wenngleich seine einzelnen Völkerschaften erst sehr spät, und an— 
scheinend erst unter unmittelbar deutschem Einfluß zu größeren 
Fürstentümern verschmolzen sind. Schon sein Name deutet auf 
das Meer!; von zwei großen Strömen, der Oder und der 
Weichsel, ward es begrenzt; seine wichtigsten geographischen 
Daseinsbedingungen wiesen auf den Handel. An der Mündung 
der Weichsel blühte Danzig auf, noch früher am Ausfluß der 
Oder das sagenreiche Wollin, wohl die Stadt der Ubaba des 
arabischen Reisenden Ibrahim, die Jomsburg der Normannen, 
das Vineta unserer Tage; schon mit Beginn des 12. Jahr⸗ 
hunderts erscheint es als von Stettin überflügelt. 
Den baltischen Slawen sind weiterhin noch zuzurechnen die 
beiden Völkergruppen der Ljutizen (Ljutici, Veleten) und der 
Abodriten; sie saßen zwischen Oder, Ostsee und Elbe; nach Süden 
hin schied sie eine Linie etwa von der Ohremündung über 
Brandenburg, Köpenick und Lebus von den Sorben. Den süd— 
Slaw. Pomorie „Land am Meere“, „Küstenland“.
	        
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