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mit war der freie Verkehr mit Belgien gesichert, und Antwerpen
konnte nicht durch einseitige Tarıfmaßregeln vor den nordhollän-
dischen Plätzen bevorzugt werden. Der König beförderte ohnedies
die Blüte Antwerpens durch das Geschenk der von Napoleon dort
errichteten Docks?!), während holländisches Kapital sich eifrig an
dem Wiederaufbau des Antwerpener Wirtschaftslebens beteiligte?).
Die natürlichen Vorzüge Antwerpens haben auch weiterhin während
des Bestehens der staatsrechtlichen Vereinigung beider Länder
nicht etwa die Wirkung gehabt, daß die nördlichen Provinzen sich
nun zu besonderen wirtschaftlichen Anstrengungen aufrafften;
im Gegenteil, sie haben eher entmutigend gewirkt. Zwar nicht
gleichgültig, aber doch mit einer gewissen Resignation sah der Norden,
wie der Süden die großen wirtschaftlichen Vorteile, die ihm jene
Verbindung zuführte, ausnutzte und den Norden aus einer Vor-
machtstellung nach der anderen, die er bisher im Handel eingenommen
hatte, verdrängte, so im Handel mit Häuten, Zucker und Kaffee®).
Hatte man aber schon 40 Jahre vorher im Norden eine liberalere
Handelspolitik als die Folge der Befreiung der Schelde voraus-
gesagt — allerdings ohne an eine staatsrechtliche Vereinigung beider
Länder zu denken —*), so erwies sich diese Prophezeihung, wie
wir sehen werden, .als irrig.
Zu der bestehenden und steigenden Unzufriedenheit der Han-
delskreise trugen dann auch die auswärtigen Handelsbeziehungen
ihr gut Teil bei. Zuerst erregte starke Mißstimmung die wachsende
Überschwemmung des Landes mit englischen
Waren; Baumwollwaren, Garne, Stahlwaren, Zucker usw.
bildeten den Hauptbestandteil dieser Einfuhr. Mit der Sättigung
des vorher von allen Vorräten entblößten Marktes nahm auch diese
Einfuhr ab. Andererseits machte sich in England eine starke, von
der irischen Landwirtschaft genährte Bewegung gegen die Einfuhr
l) van den Brink, iS: /0.
2) Waentig, S. 5141
3) Colenbrander, Gedenkstukken, IX, S. 911 ff. Die Schiffsankünfte
in Antwerpen gingen allerdings in den ersten Jahren zurück; nachdem 1815 rund
3000 Schiffe dort angekommen waren, fiel diese Zahl 1817 auf 999 und 1818 auf
585 Schiffe (Terlinden, S. 10); 1829 aber waren es wieder 971 Schiffe (ebenda,
S. 37). Über die Entwicklung Antwerpens in jener Zeit vgl. auch Wa entig,
S. 1541.
3 Colenbrander,Patriottentijd, I, S. 97, Anm. 2.
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