Object: Holländische Wirtschaftsgeschichte

ablöste, ratifizieren sollte; Seeland, Utrecht, Overijssel, die am 
Ostseehandel wenig oder gar keinen Anteil hatten, zeigten sich 
sehr kühl; das Geldopfer schien recht bedeutend zu sein. Doch trug 
Amsterdam, adas/ allein”. des ganzen Sund- 
zolls bezahlte‘), schließlich den Sieg davon und am 3. März 
1651 wurde der Vertrag ratifiziert. Allerdings war dieser Zollver- 
trag nicht von langer Dauer; man kehrte bald wieder zu den Ver- 
trägen von 1645 und 1647, also zu der Entrichtung des Zolls an 
Ort und Stelle, zurück. Das Bündnis mit Dänemark aber, das der 
Furcht vor der schwedischen Übermacht sein Dasein verdankte, 
gestaltete sich immer fester. Daß das Streben Schwedens auf 
eine wirtschaftliche Hegemonie in der Ostsee und möglichste Aus- 
schaltung der Niederlande zielte, lehrte namentlich die Regierung 
KarlıX. Gustavs. 
Wirtschaftlich war einer der empfindlichsten Punkte des 
1645 zwischen Schweden und Dänemark geschlossenen Friedens die 
Schweden zugestandene völlige Zollfreiheit im Sunde. Sie benach- 
teiligte die Niederlande um so mehr, als die schwedische Handels- 
stellung in der Ostsee sich allmählich immer mehr verstärkte und der 
schwedische Imperialismus zusehends im Wachsen war. Vor ent- 
schiedenem, kriegerischem Auftreten scheuten die Generalstaaten 
zurück; als die Stadt Bremen 1654 von den Schweden arg bedrängt 
wurde, halfen sie ihr zwar mit Geld, auf weiteres wollten sie sich 
nicht einlassen; das Interesse ihres Seehandels hielt sie von ener- 
gischem Auftreten zurück. Wieder wirkte hierbei entscheidend 
Amsterdam, diesmal allerdings in friedlicher Richtung; die andern 
sechs Provinzen waren wohl geneigt, Bremen zu helfen; Holland 
lehnte ab?). Noch stärker zeigte sich der schwankende Charakter 
der niederländischen Politik, als 1655 die schwedischen Angriffs- 
pläne auf Polen und Brandenburg deutlich hervortraten; man 
fürchtete für die nun gefährdete Getreidezufuhr. Deshalb wünschte 
Holland ein Bündnis mit Danzig, dem wichtigsten Stapelplatz für 
den niederländischen Getreidehandel. In den Bündnisverhand- 
lungen mit Brandenburg fand dies handelspolitische Interesse der 
Niederlande seinen unverhohlenen Ausdruck. Aber man wollte sich 
1) Blok, Geschiedenis v. h. ned. Volk, V, ı1, Note 2; vgl. auch Kolkert, 
S. 30 If. 
2) Kolkert, S. 66. 
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