Full text: Begriff. Psychologische und sittliche Grundlage. Literatur und Methode. Land, Leute und Technik. Die gesellschaftliche Verfassung der Volkswirtschaft (1.1901)

32 Einleitung. Begriff. Psfychologische und sittliche Grundlage. Litteratur und Methode. 
keiner menschlichen Gesellschaft; sie sind das Schwungrad des Fortschritts, erzeugen den 
Kampf ums Dasein in seinen verschiedenen Formen. 
Der Erwerbstrieb in den mit ausgebildetem Eigentum wirtschaftenden Völkern 
ist eine Unterart dieses allgemeinen Rivalitätstriebes. Wir gehen auf ihn nun noch 
etwas genauer ein. 
ß. Der Erwerbstrieb und die wirtschaftlichen Tugenden. 
Mandeville, Fable of the bees or private vices public benefits. 1713. — Heéelveétius, 
De l'esprit 1758, de l'homme, Oeuvres 1792. — Bentham, Worbks 1848. Über Bentham und 
die Benthamiten: Held, Sociale Geschichte Englands 1881, S. 246-287. — Lotz, Handbuch der 
Staatswirtschaftslehre I, S. 6ÿ57. 1821. — Rau, Grundsätze der Volkswirtschafslehre. 6. Aufl. 
38 7 u. 11. 1855. — Ders., Bemerkungen über die Volkswirtschaftslehre und ihr Verhältnis zur 
Sittenlehre. Z. f. St.W. 1870. 
J Schütz, Das sittliche Moment in der Volkswirtschaft. Z.f. St. W. 1844 — Knies, Ppolitische 
konomie vom Standpunft der geschichtlichen Methode. S. 147-168. 1853. 2. Aufl. S. 227-258. 
1883. — Vorländer, Über das sittliche Princip der Volkswirtschaft in Rücksicht auf das sociale 
Problem. 3.f. St.W. 1857. — Schmoller, Grundfr. S. 50ff. — H. Dietzzel, Selbstinteresse. H.W. 
Riehl, Die deutsche Arbeit. 1861. — G. Jäger, Die menschliche Arbeitskraft. 1878. — 
Lohn, Grundlegung der Nationalökonomie. 1885. 88 217282. — Bücher, Arbeit und Rhythmus. 
1896. — Smiles, Die Sparsamkeit. 1876. — Über die wirtichaftlichen Tugenden ist die ganze 
thische Litteratur zu vergleichen. 
17. Dogmengeschichtliches. So oft über die Ursachen menschlichen Handelns 
ernsthafter nachgedacht worden ist, haben sich Denker gefunden, welche alles Handeln, 
auch die Tugenden der Menschen auf die Selbstliebe zurückführten. Die Sophisten und 
Epikur gingen voraus; ihnen folgte der englische Senfualismus, Hobbes und Mandeville, 
der mit brutalerer Offenheit als alle anderen die Ableitung des menschlichen Thuns 
aus der Selbstliebe in seiner Bienenfabel vornahm, endlich die französischen Materialisten 
des 18. Jahrhunderts, voran Helvetius, der mit seltenem Scharfsinn den Wandlungen 
des Egoismus im menschlichen Herzen nachgehend, die Lust und Unlust mehr nur in 
ihren niedrigeren Sphären verfolgend, der glänzendste Theoretiker des Egoismus geworden 
ist und auf die ganze geistige Atmosphäre seiner Zeit einen erheblichen Einfluß geübt hat. 
Die ganze zweite Hälfte des 18. Jahrhunderts war an sich dem Kultus des Individuums 
zgewidmet, das die einen als boshaftes, nur durch die Gesetze im Zaum gehaltenes Tier, 
die anderen als edles herrliches Wesen sich konstruierten, das vom Schutt der Über— 
lieserung befreit und sich selbst überlassen, nur Gutes vollbringe. Die Beschäftigung mit 
den wirtschaftlichen Fragen legte eine Betonung der Selbstliebe überdies besonders nahe. 
Ein so feiner Psychologe und Ethiker, wie Ad. Smith, der im übrigen ein Gegner 
dieser materialistischen Theorien war, brauchte nun nur in seinen volkswirtschaftlichen 
Erörterungen von der natürlichen Neigung jedes Menschen, sein eigenes Interesse zu 
verfolgen, zu sprechen und optimistisch die guten durchschnittlichen Folgen dieser Neigung 
zu rühmen, und ein Geschlecht von Epigonen, voran die englischen Empiristen ünter 
Benthams Leitung und die etwas steifleinenen unphilosophischen deutschen Kameralisten 
wie Rau und Lotz kamen nun zu einer allgemeinen Theorie, die dahin lautete, daß der 
Egoismus, der Eigennutz, das Selbstinteresse, der Erwerbstrieb (diese keineswegs identischen, 
aber verwandten Begriffe wurden häufig zusammengeworfen) die ausschließliche Grund— 
lage der Volkswirtschaft sei, daß wenigstens in unserer Wissenschaft nur die Folgen 
dieses Triebes zu untersuchen seien. Bentham zieht aus einer Untersuchung der ver— 
schiedenen Arten des menschlichen Glückes die Folgerung, daß die Freude am Reichtum 
eine centrale Stellung einnehme, da er die Mittel für alle anderen Freuden darbiete. 
Für Senior ist der Satz, daß jeder Mensch ein Mehr von Wohlstand mit so wenig 
Opfern als möglich erreichen will, der Eckstein der politischen Okonomie, die letzte 
Thatsache, über welche nicht zurückgegangen werden könne. Rau erklärt das Verhältnis 
der Menschen zu den sachlichen Gütern für ein unwandelbares, die Selbstsucht als 
ortdauernde Triebkraft ist ihm die Voraussetzung, ohne welche kein einziges volkswirt 
ichaftliches Gesetz aufgestellt werden könne.
	        
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