Flanell
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Fleisch
zunehmen, am sichersten, indem man jeden Be-’
standteil für sich völlig austrocknet und pulvert.
Auch verwende man nur gewaschenen Schwefel,
da sonst leicht Selbstentzündung eintreten kann.
Zur Hervorbringung besonders schöner Wirkun
gen wird vielfach fein, gepulvertes Magnesium
metall hinzugesetzt. Den meist zu derartigen F.
benutzten Schellacksatz stellt man in der Weise
her, daß man Schellack vorsichtig schmilzt, pul
vert, mit vier Teilen gut ausgetrocknetem, er
wärmtem Barium- oder Strontiumnitrat oder
anderen Chemikalien vermischt und nach dem
Erkalten noch 2 0/0 fein gepulvertes Magnesium
metall hinzusetzt. — Zur Herstellung von Mag
nesiumfackeln füllt man diese Mischung in dünne
Zinkblechhülsen. Bengalische F. unterliegen be
sonderen Bestimmungen beim Transport durch
Bahn oder Post.
Flanell (frz. Flanelle, engl. Flanell), ein viel
gebrauchtes, unter verschiedenen Feinheitsgra
den vorkommendes Wollzeug, das entweder
leinwandartig gewebt oder geköpert, nur wenig
gewalkt, auf der rechten Seite einmal gerauht
und entweder gar nicht oder nur einmal ge
schoren ist. Die Kette ist in der Regel Kamm
garn, mitunter auch Baumwollgarn, während
der Einschuß immer Streichgarn ist. Bei einigen
bunt gestreiften Sorten ist die Kette Leinengarn
und' der Einschuß Wolle. Man unterscheidet;
eigentlichen oder Futterflanell, 1,15 m breit,
tuchartig gewebt, aus Kamm- und Streichgarn;
Gesundheitsflanell, zu Unterzeug und Hem
den, mit Köpergewebe, die beste Flanellsorte,
schon mehr tuchartig gewalkt und gerauht, und
frisierten F., bei dem die langen Haare in
Knötchen zusammengedreht sind. Buntge
streifte F., mit quer über das. Stück gehender
Streifung, bilden eine althergebrachte, noch immer
viel zu Unterröcken für die ländliche Bevölke
rung gebrauchte Ware. — Boy (frz. Boi, engl.
Baize), ein grober, lockerer, tuchartiger F. aus
geringer Wolle, nach dem Weben bloß ausge
waschen, selten etwas gewalkt, dann gerauht,
gespannt und heiß gepreßt, kommt glatt und
frisiert, weiß, schwarz und bunt vor. — F. ver
schiedener Sorten werden in manchen Gegenden
Deutschlands, namentlich in Sachsen, Thüringen,
Westfalen, Preußen, Hessen, Böhmen, Mähren
usw. hergestellt.
Flaschenkapseln zum Verschließen von Fla
schen an Stelle des sonst gebräuchlichen Fla
schenlacks und anderer Verschlußmittel werden
aus Zinn- und Bleilegierungen hergestellt und
in weißem, poliertem Zustande oder auch ge
färbt in den Handel gebracht. Das Verschließen
erfolgt am besten durch sogenannte Kapsel-
ma^chinen.
Flatulinpillen vonDr.Roos bestehen aus einer
aromatisierten Mischung von Natriumbikarbonat,
Magnesiumkarbonat und Rhabarber und wer-
den gegen Verdauungsstörungen angepriesen.
Flavanilin, ein durch Erhitzen von Azetanilid
mit Chlorzink erhaltener gelber Teerfarbstoff,
kommt nicht mehr in den Handel.
Flavaurin (Neugelb), ein seit 1883 bekann
ter Teerfarbstoff, besteht aus dem Ämmoniak-
salze der Dinitrophenolparasulfosäure und bildet
e 'n gelbrotes Pulver, das sich beim Erhitzen
ohne Verpuffung aufbläht, in Wasser mit gelber
Farbe löslich ist und Wolle und Seide gelb färbt.
Flavin (Flavine). Unter diesem Namen
kommt der Farbstoff der Querzitronrinde teils
als feines, dunkelbraunes Pulver, teils in Teig
form (Flavineteig) .in den Handel. Das F.wird
durch Auskochen der Querzitronrinde mit Wasser
und Soda und nachheriges Übersättigen mit ver
dünnter Schwefelsäure erhalten. 6’/ 2 kg sollen
100 kg Querzitronrinde entsprechen.
Fledermausguano nennt man die getrockneten
Exkremente derjenigen Fledermäuse, die nament
lich auf der Insel Sardinien in großer Anzahl
gesellig in Höhlen wohnen. Der F. bildet ein
stickstoffreiches, gröbliches, braunes, meist zu
größeren oder kleineren Klumpen zusammen 1
gebackenes Pulver, das nur in geringer Menge
in den Handel kommt.
Fleisch (frz. Viande, engl. Flesh, Meat), neben
der Milch, dem Käse und den Hülsenfrüchten
die wichtigste Eiweißquelle und eines der wich
tigsten Nahrungsmittel überhaupt, bildet in fri
schem Zustande wie in Form mannigfacher Zu
bereitungen einen wichtigen Gegenstand des
Groß- und Kleinhandels, dessen Bedeutung be
ständig zunimmt. Im Sinne des Fleischbeschau
gesetzes sind als „Fleisch“ alle zur mensch
lichen Nahrung geeigneten Teile von warm
blütigen Tieren, also auch Fette, anzusehen. In
der landläufigen Ausdrucksweise und im Handel
versteht man hingegen unter Fleisch lediglich
das Muskelgewebe warmblütiger Tiere, insbe
sondere der gewöhnlichen Schlachttiere, dem
im weiteren Sinne auch dasjenige anderer Tiere
wie Pferde, Wild, Geflügel zugerechnet wird.
Da diese in besonderen Abschnitten behandelt
werden, kommt hier nur das Fleisch im engeren
Sinne in Betracht. Es setzt sich aus den Muskel
oder Fleischfasern zusammen, hohlen, meist
quergestreiften, bisweilen auch glatten Röhren,
die mit Fleischsaft gefüllt und von Bindegewebe
umgeben sind und entweder weiß, wie beim
Brustfleisch der Hühner, oder infolge der An
wesenheit von Hämoglobin, dem auch im
Blute enthaltenen Farbstoff, rot erscheinen. Zwi
schen den einzelnen Muskelfasern, oder den
durch Vereinigung mehrerer Fasern gebildeten
Muskelbündeln, ist je nach dem Ernährungs
zustände des Tieres mehr oder weniger Fett
abgelagert. In chemischer Hinsicht enthält das
F. neben Fett und dem beim Kochen mit Wasser
in Leim übergehenden Bindegewebe vor allem
Wasser, Mineralstoffe und eine Reihe stickstoff
haltiger Substanzen. Die letzteren gehören z.T.
zu den Eiweißstoffen, z.T,zu den sog.Fleisch
basen. Von den etwa 200/0 ausmachenden Stick
stoffverbindungen gehen bei Behandlung mit
kaltem Wasser ungefähr 4,5% in Lösung, näm
lich Albumin und Fleischbasen. Der unlösliche
Rest besteht aus dem Myosin und dem Binde
gewebe. Von den in kaltem Wasser löslichen
Stoffen endlich wird etwa die Hälfte, das Al
bumin, durch Kochen ausgeschieden, während
die andere Plälfte (Fleischbasen) in Lösung
bleibt. Die letzteren setzen sich hauptsächlich
aus Kreatin neben geringen Mengen Krea
tinin, Sarkin und Xanthin zusammen. Die
Mineralstoffe sind charakterisiert durch einen
, hohen Gehalt an Phosphorsäure und Kali bei