Full text : Zwei Bücher zur socialen Geschichte Englands

J. Bentham.

2371

er zum französischen Ehrenbürger ernannt wurde, tadelte er
in seiner Antwort die Härte gegen die verbannten Aristokraten
und in der Schrift „Anarchical Fallacies‘‘ lieferte er sogar eine
scharfe Kritik der” „Menschenrechte“. Freilich wendete er
sich gegen diesen Begriff zumeist aus dem Grunde, weil derselbe
 nicht mit seinem Nützlichkeitsprineip stimmte; weil nur
geschriebenes, codificirtes Gesetz seiner Meinung nach Recht
ist, und weil keine Menschenrechte die Zukunft binden könnten;
 wohl aber erkannte er, dass die Menschenrechte ein
Swiges Recht auf Revolution constituiren, jede dauernde Ordnung
 und gesetzliche Entwicklung untergraben,
Im „Parl. Reform Catechism“ wird die radicale Reform als
einziges Mittel, die Revolution zu verhüten, hingestellt. Das
Mönarchisch-aristokratische Element ruinire zwar das Volk;
Krone und aristokratische Vorrechte seien kein Eigenthum,
Sondern nur „trust“: aber doch sollen sie nicht vernichtet, sondern
 zunächst soll nur der Demokratie ein wachsender Antheil
an der Herrschaft gegeben werden (democratical ascendency
and political salvation).
In seinen letzten Schriften aber durchbrach der kosmo-Politische
 Demokrat diese Schranken des praktischen Eng-Jänders,
 Seit 1830 nahm in ganz England die radicale Agilation
 einen leidenschaftlicheren Aufschwung, wesentlich an-Seregt
 durch die Pariser Juli-Revolution. Zwar kam es der
Masse lediglich auf die Durchsetzung der mässigen Parlamentsteformen
 an, aber alle radicalsten Leidenschaften wurden in
den Dienst dieser Agitation gestellt. Und auch hier ist Bentham
 wiederum der treueste Spiegel seiner Zeit. In einem
Brief an die Franzosen von 1830 über Peerskammern (Werke
Bd. IV, 8, 449) spricht Bentham es endlich aus:
, „Gut, meine Mitbürger von Frankreich! Gut, meine Mitoürger
 von England! meine Mitbürger der civilisirten Welt,
Meine Mitbürger zukünftiger Weltalter! Wenn Demokratie
Nicht identisch ist mit Anarchie, sondern eine bessere Regie-“üngsform
 als jede andere, besser als absolute Monarchie,
absolute Aristokratie, oder eine, von der Aristokratie gerittene
Monarchie — warım soll jch den Gegensatz nicht offen klar.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.