Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

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Kartoffeln pflanzen, diese fröhlich warten, und unter traulichen 
Gesprächen in den langen Winterabenden verzehren. Auf dem 
Theater sehen solche Zustände ganz gut aus, aber die Wirklichkeit 
malt mit ganz anderen Farben. Ich will nicht an das Leben eines 
kleinen irischen Pächters erinnern, ich verweise auf die Kleinbauern 
3. B. in dem gepriesenen Rheinlande, die noch so viel Land be— 
sitzen, um ein Zugthier halten zu können. Tretet in die Wohnung 
solcher Leute, seht ihre Geräthe, ihre Lagerstätte, ihre Mahlzeit und 
knüpft mit ihnen ein Gespräch über ihre Lage an! Wie kläglich 
und traurig wird man das wirkliche Leben solcher Kleinbauern fin⸗ 
den! Und doch sind sie noch im Besitz von 6—10 Morgen Landes. 
Noch weit schlechter ist es aber mit den Besitzern von Grundstücken 
bestellt, welche so klein sind, daß sie mit Spaten, Karst und Rechen 
bearbeitet werden müssen. Es ist ein großer Fehler, daß man die 
Verhältnisse einer Gärtnerwirthschaft in der Nähe einer großen Stadt 
zum Anhalt nimmt, um die Zustände und das Glück des kleinen 
Grundbesitzes im Allgemeinen nach ihnen zu messen. Eine Gärtner⸗ 
plantage von 2 preuß. Morgen ernährt allerdings schon eine Fa— 
milie, dabei wirken aber zwei Umstände mit, welche vereint in einiger 
Entfernung von volkreichen Städten nicht vorhanden zu sein pflegen: 
einmal der gesicherte Absatz für Gartengewächse und dann die Ge— 
legenheit, Dünger wohlfeil zu bekommen. Die Hindernisse, welche 
sich dem Fortschritt der kleinen Grundbesitzer entgegen stellen, be— 
wirken leider, daß Jahrhunderte lang schreiende Mängel bestehen, 
ohne daß nur ein Versuch gemacht wird, sie zu heben. Ja, so groß 
sind diese Uebelstände, welche noch an dem kleinen Grundbesitz 
hängen, daß sich behaupten läßt: die Urquellen des allgemeinen 
Nothstandes, welcher von Zeit zu Zeit die Staaten erschüttert, sind 
zum Theil in der mangelhaften Benutzung des Bodens zu suchen. 
Welche Kleinheit des Grundbesitzes aber unbortheilhaften und ge— 
fährlichen Kleinbau verursacht, das läßt sich so allgemein nicht in 
Fuß und Ruthen angeben; doch der leitende Grundsatz möge in 
anserer Nationalökonomie anerkannt werden, daß nur auf der Acker⸗ 
fläche, welche wenigstens zwei gute Zugthiere beschäftigt (etwa 50 
zroße preuß. Morgen groß), ein Rente bringender Ackerbau statt⸗
	        
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