— 643 —
schen bewohnten Gegend. Ein Kaufmann in London kann sich bei
jedem Umsatz, den er vermittelt, wegen der großen Anzahl, mit
einer geringeren Belohnung begnügen. Ueberall sehen wir zwei
Tauschapparate, obgleich an sich identisch, sehr verschiedene Dienste
erweisen, je nachdem sie in einer dichten oder dünnen Bevölkerung
fungiren.
Die Dichtigkeit der Bevölkerung bewirkt nicht allein, daß man
aus dem Apparate des Tausches mehr Autzen zieht, sie gestattet
auch, diesen Apparat noch zu vergrößern und zu vervollkommnen.
Es giebt manche Verbesserung, die im Schooße einer dichten Be—
oölkerung, weil sie mehr Anstrengungen erspart, als erfordert, vor⸗
theilhaft ist, aber inmitten einer dünnen Bevölkerung unausführbar,
weil sie mehr Anstrengungen erfordern als ersparen würde.
Wenn man aus der Hauptstadt eines Landes in eine kleine
Provinzialstadt kommt, wundert man sich, wie oft man sich gewisse
Dienstleistungen nur mit großen Unkosten, mit Zeitverlust und unter
tausend Schwierigkeiten verschäffen muß.
Nahe aneinander wohnende Menschen können sich besser in die
Beschäftigungen theilen, ihre Kräfte vereinen, Banken oder Verfiche—
rungsgesellschaften anlegen, Schulen gründen, für ihre Sicherheit
sorgen, kurz, sich gemeinsame Genüsse verschaffen, die jedem Einzel⸗
nen verhältnißmäßig viel weniger Anstrengungen kosten. Die ge—
werbliche und fabrikmäßige Production wird, wenn sie nicht beson—
derer Ursachen wegen, z. B. wegen der Nähe von Kohlenbergwerken,
Wasserkräften u. s. w, auf einen besondern Ort angewiesen ist,
am zweckmäßigsten in großen Städten betrieben, weil das Zusam.
menwohnen vieler Menschen eine ungeheure Arbeitstheilung möglich
macht, und weil alle Hülfsstoffe und Halbfabrikate, deren man be—
darf, so wie auch der Absatz gleich wieder zur Stelle find. Dicht
bebölkerte Gegenden oder Länder sind auch die reichsten, starke Be—
völkerung ist ein Zeichen des Wohlstandes. Nur weniger entwickelte
Völker, wo die industrielle und Handelsentwicklung mit der Bevöl.
kerung nicht gleichen Schritt hält, sind der Gefahr der Uebervölke—
rung ausgesetzt. Wo wegen des Mangels an Capital die Produe⸗
tion nicht im Verhältniß zur Vevölkerung steht, wie z. B. in China,
41*