Full text: Vorschule der Volkswirthschaft

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führt die Vermehrung der letzteren oft großes Elend herbei. Da 
die Bevölkerung leichter zu vermehren ist als die Production, welche 
immet Mühe und Anstrengung kostet, so setzt es immer einen höheren 
Grad der Cultur, eine fortgeschrittene Civilisation voraus, wenn die 
Vergrößerung des Capitals, dieses Productes der Arbeit und Spar— 
samkeit, mit der Zunahme der Bevölkerung Hand in Hand geht. 
Auf die Steigerung der Bevölkerung auf die verschiedene Zu— 
nahme derselben bei verschiedenen Völkern, in verschiedenen Zeiten, 
auf die Zahl und Fruchtbarkeit der Ehen, Sterblichkeit u. s. w. wirken 
bekanntlich sehr mannigfache Umstände ein, vorübergeheude und 
dauernde, klimatische und politische Verhältnisse, Sitte und Stand. 
Je geringer z. B. die Bedürfnisse sind, desto leichter ist es, eine 
Familie zu gründen: daher die frühen Heirathen in China, Irland 
und unter den niederen Volksklassen überhaupt. Der gebildete 
Mensch bürdet sich nicht die Last der Familie auf, ehe er sich im 
Stande weiß, seine Kinder soweit verpflegen und erziehen zu können, 
daß sie durch geregelte Arbeit ihr gewisses Brod werden verdienen 
rönnen u. s. w. Einen Haupteinfluß auf starke Progression der 
Bevölkerung einer Nation übt immer die Capitalansammlung und 
Steigerung der Production aus. Die Arbeiter leben unter solchem 
Linflusse besser, gewöhnen sich an vermehrte Bedürfnisse, ihr gestei⸗ 
gertes Behagen führt zu frühzeitigeren Heirathen, vermindert die 
Sterblichkeit der Kinder, beschleunigt also ihr Wachsthumverhältniß. 
Ueber die Zunahme der Bevölkerung eines Landes, ob sie zu 
begünstigen, oder zu erschweren ist, hat man nicht zu allen Zeiten 
zleich gedacht. Es gab eine Zeit, wo Regierungen die Politik 
hatten, die Vermehrung der Bevölkerung möglichst zu begünstigen, 
am dadurch das Land steuer- und wehrkräftiger zu machen. Aber 
eine solche Begünstigung kann nichts helfen, wenn die Mittel zur 
Subsistenz fehlen. Gegen Ende des römischen Reiches kannten alle 
Belohnungen, welche die Kaiser auf die Kindererzeugung legten, 
nicht die Abnahme der Bevölkerung hindern. Anderswo suchte man 
die Vermehrung der Bevölkerung durch Erschwerung der Ehen und 
der Ansäßigmachung zu hemmen. Wo aber das Capital wächst 
und die Industrie hinreichende Beschäftigung darbietet, sind solche
	        
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