Full text: Holländische Wirtschaftsgeschichte

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Versumpfung anheimfiel. Ähnlich verhielt es sich mit der Schiffahrt 
etwa von 1780—1850. Neben den politischen Ereignissen, die 
lähmend auf die Tatkraft der Niederländer einwirkten, war doch 
auch wohl einer gewissen materiellen Sättigung, einer Neigung zur 
Schwerfälligkeit die Schuld an dem Rückgang und Stillstand bei- 
zumessen. Die im Freiheitskampfe mit Spanien emporlodernde 
und durch ihn genährte Unternehmungslust der Niederländer hat 
neben den schönen Ergebnissen, die sie ihnen brachte und die u. a. 
ihnen das Geschenk einer kolonialen Weltmacht in den Schoß legte, 
doch auch den Nachteil gehabt, daß sie ihnen zuviel des Guten 
zuführte und damit die verderblichen Folgen und Begleiterschei- 
nungen einer Hochkultur zu kosten gab. Der Niederländer machte 
es sich nun bequemer mit der Arbeit, das Wirtschaftsleben wandelte 
sich, indem es einen Höhepunkt des Kapitalismus erreichte und 
sich mehr und mehr dem reinen Geldgeschäft zuwandte. Damit 
entfremdete sich der zum Genießer gewordene Niederländer den 
Grundlagen seiner alten Handelsblüte, dem Eigenhandel mit Waren 
und der Schiffahrt; sein Idol wurde die Börse und zwar die Effekten- 
börse; er wurde der Geldgeber, der Bewahrer des Geldschrankes 
aller Welt. Und als dann der eiserne Besen der Napoleonischen Zeit 
diesen Geldschrank ausfegte, wurde es nachher dem Holländer 
schwer, sich wieder den alten Zweigen seines Handels, seinem natür- 
lichen wirtschaftlichen Beruf zu widmen. Mit Recht folgte er dem 
Beispiel seiner Vorfahren, die in den überseeischen Besitzungen 
die vornehmste Quelle ihres Wohlstandes erblickten; aber dann 
schuf man die Nederl. Handelsmaatschappij, ein unglückliches 
Gegenstück zu der früheren Ostindischen Kompanie; in ihrer deka- 
denten Struktur brachte sie den Rückgang gegen früher klar zum 
Ausdruck. Es bedurfte jahrzehntelangen, wenig fruchtbaren Tastens, 
bis der Holländer wieder in die Bahnen einer seinen Interessen 
und seiner Leistungsfähigkeit angemessenen Wirtschaftspolitik ein- 
gelenkt war; langsam gewann er in der Mitte des 19. Jahrhunderts 
Anschluß an das mächtig ihn umrauschende Wirtschaftsleben der 
Welt. Freilich, die großen Tage seiner Bedeutung in Handel und 
Schiffahrt waren dahin. 
Die Wandlungen des Wirtschaftslebens sind natürlich auch 
beeinflußt worden von den inneren Verhältnissen, so dem Steuer- 
und Finanzwesen, das sogar für die bescheidenen An- 
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