Erstes Buch. Land, Leute und Technik.
mit den Naturvölkern volkswirtschaftlich gar nicht in eine Linie gestellt werden kann,
oersteht sich von selbst. —
Es ist nicht angezeigt, hier zum Schluß dieser Einzelschilderungen zu versuchen,
sie und die obigen allgemeinen Ausführungen zu abschließenden Resultaten zusammen—
zufassen. Soweit Derartiges bisher versucht wurde, wie von Gobineau oder neuerdings
oon Vierkandt, gehört es nicht hieher, sondern etwa in unsere Schlußbetrachtung. Nur
zein Wort der Kritik möchte ich hier noch beifügen. Unser Wissen guf dem vorstehenden Ge⸗—
biete, das allgemeinere in Bezug auf die Rassen, ihre Entstehung, Anderung und Spaltung,
auf Vererbung und Ähnliches, wie das speciellere in Bezug auf die wichtigsten Rassen—
und Völkertypen hat den Grad der Ausbildung sicherlich nicht erreicht, der für seine
Benutzung zu volkswirtschaftlichen Untersuchungen wünschenswert wäre. Den pfsycho—
logischen Völkerbildern, die wir gaben, kann man vorwerfen, es sei nicht deutlich zu
sehen, was in ihnen Folge des erblichen Rassentypus, was Folge des Landes, der
augenblicklichen geistigen Zustände und gesellschaftlichen Einrichtungen sei; man wird
jagen müssen, daß aus keinem derselben sich ohne weiteres die Geschichte oder die Volks—
wirtschaft des betreffenden Volkes ableiten lassen könne. Aber doch ist schon dieses Wifsen
aicht ohne Wert und wissenschaftliche Bedeutung.
Jede gute volkswirtschaftliche Schilderung von Ländern, Industrien, Agrarzuständen
geht heute von einem konkreten psychologisch-ethnographischen, einheitlichen Bilde der
handelnden Menschen aus. Alles volkswirtschafiliche Urteilen ist ein sichereres, wenn es
nicht bloß den abstrakten Menschen oder gar seinen Erwerbstrieb, sondern die Spielarten
der Rassentypen im Auge hat, wie wir schon in allen älteren Lehrbüchern sehen, die
bei der Erörterung der Arbeitskraft von den Rassen, Volkscharakteren, nationalen Arbeits-
sitten, der verschiedenen nationalen Auffafsung der Arbeitsehre sprachen. Alles Schließen
über volkswirtschaftliche Institutionen und ihre Umbildung, über die Verbreitung tech—
nischer Künste und socialer Einrichtungen von Volk zu Volk hat einen besseren Boden,
wenn wir die Rassentypen, ihre Verwandtschaft und Verschiedenheit kennen, wenn wir
ꝛrwägen, wie das Eindringen höherstehender Individuen auf bestimmte Rassen und die
Rassenmischung wirke. Fuͤr alle diese wissenschaftlichen Aufgaben ist der besser aus—
gerüstet, welcher wenigstens die allgemeinen Resultate der Völkerkunde kennt. Was Knies
schon vor fast 50 Jahren in seinem Abschnitte „über den nationalen Menschen“ verlangte,
das sollte hier wenigstens im Umrisse versucht werden.
3. Die Bevölkerung, ihre natürliche Gliederung und Bewegung.
Allgemeines. Süßmilch, Die göttliche Ordnung in den Veränderungen des menschlichen
Beschlechtes. 1742. 4. Aufl. 1775, ed. Baumann. — Malthus, Üssay on the principle of
20pulation. Anonym 1798, dann mit dem Namen öfter 180372; deutsch von Hegewisch 1807, von
Stopel 1878. — Ch, Bernoulli, Handbuch der Populationistik. 18411. 9. Nohl, Geschichte und
ditteratur der Bevölkerungslehre. (Gesch. u. Litt. d. Staatsw. 3, 409 ff.) 1888. — Wappäus, All—
zemeine Bevölkerungsstatistik. 2 Bde. 1859. — Roscher, Die Bevölkerung. (Grundlagen d. Nationalok.
Buch IV) 1834-97. — Rümelin, R. A., 2 Bde., 1875 u. 1881, und die Bevoͤlkerungslehre (in
Schönbergs Handbuch d. pol. Hkon. 1882-95, 1). — v. Mayr, Die Gesetzmäßigkeit im Gesell⸗
chaftsleben. 18773 — Ders., Die Bevölkerungsftatistik. 1897. — Westergaard, Die Lehre von der
Mortalität und, Morbilität. 1881. — J. FNeumann, Beiträge zur Geschichte der Bevölkerung
in Deutschland seit Anfang des 19. Jahrhunderts. 5 Bde. 1883 1894. Georg Hansen, Die
drei Bevölkerungsstufen. 1889. — 9. eege een und Bevölkerungspolitik. 1888.
v. Mayr, Allgemeines statistisches Archiv, seit 1880 5 Bde. — Pulletin de Pinetitut inter-
aationsl de Statistique, seit 1886 12 Bde. — Journal ot the vtatistical socisty of London, seit
1339 64 Bde. Außerdem die zahlreichen Zeitschriften der einzelnen statistischen Amnter. — Die Be—
dölkerung der Erde, von Behm, H. Wagher und Supan im Geogr. Jahrb. 1866 und wieder⸗
jolt in Petermanns Mitteilungen aus J. Perthes' geogr. Anstalt 1871big 1898.
.u, Bevölkerungsgeschichte. Hume, Menge der Menschen bei den alten Nationen. Vermischte
Schriften. 85 dentsch 1754. * Zumpt, Aher den Stand der Bevölkerung und die Volksver—
nehrung im Altertum. 1841. — Dieterici, Über die Vermehrung der ie seit dem Ende
»der der Mitte des 17. Jahrhunderts. Berl. Akad. phil.-hiftor. h. 1880. 58. Schönberg,