fullscreen: Nationalökonomie (1.1915)

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[In Amerika bauen ganze Gegenden dieselbe Getreideart, die sich bewährt 
aat. Es werden nur wenige Öbstarten kultiviert, und. zwar solche, die dort 
erfahrungsgemäß gut gedeihen und in Massen zu verwerten sind. Ebenso 
Ändet man nur wenige Viehrassen vertreten, während in Deutschland 
las Entgegengesetzte verbreitet ist. Jeder Gutsbesitzer und Bauer hat 
seine besondere Saat und behandelt sie anders als sein Nachbar, daher 
sind die Silos (große Getreidespeicher) hier nicht allgemein anwendbar, 
weil die eingelieferte Ware zu ungleichartig ist und nicht zusammen 
in derselben Weise behandelt werden kann. Aus dem gleichen Grunde 
ist das Obst nicht in Massen zu verarbeiten, so daß bei reicher Ernte 
ein großer Teil unverwertbar verdirbt, während es in Amerika im 
zroßen gedörrt oder sonst verarbeitet in alle Himmelsgegenden versendet 
wird. Der Händler kann hier nur mit Mühe einige hundert gleichartiger 
Hühner auftreiben, während er in Belgien, Lothringen leicht tausende 
derselben Rasse aufkaufen, zur Massenlieferung verwenden und daher 
besser verkaufen kann, 
Der Amerikaner fabriziert Standardmodelle und -größen von 
Maschinen und Maschinenteilen auf Bestellung, aber auch auf Vorrat, 
so daß, wenn ein Stück zerbrochen ist, es auch auf große Entfernung 
auf telegraphische Bestellung der Nummer in kurzer Zeit ersetzt 
werden kann, während bei uns viel zu häufig Veränderungen vor- 
zenommen werden und Spezialbestellungen ausgeführt werden müssen, 
wodurch jedesmal Reparatureinsendung der ganzen Maschine oder 
Sonderanfertigung des verletzten Teiles notwendig wird. Dies erschwert 
zugleich das Arbeiten auf Vorrat und damit die gleichmäßige Beschäf- 
tigung der Arbeiter (E. Schalk, Der Wettkampf der Völker, Jena 
1905. 8.114 u. w.). Infolge der großen Arbeitsteilung, Spezialisierung 
and Standardisierung kann Amerika trotz weit höherer Löhne Vieles 
illiger produzieren als England und namentlich Deutschland, das in 
Jieser Hinsicht sehr zurückgeblieben ist. 
Nach allem wird durch die Arbeitsteilung eine gewaltige Erhöhung 
der Leistungsfähigkeit des Einzelnen wie die größte Ausnutzung der 
vorhandenen Kräfte in der Volkswirtschaft erzielt. Sie bildet einen 
Teil und einen Hauptfaktor der kolossalen wirtschaftlichen Entwicklung 
der neueren Zeit, ist aber in solcher Weise nur durch Zuhilfenahme 
von Maschinen möglich. 
Diesen unzweifelhaften Vorteilen stehen nun aber erhebliche 
Nachteile gegenüber, die eine lange Zeit unterschätzt und ignoriert 
wurden. Meinte die Adam Smithsche Schule, daß nach einem all- 
gemeinen wirtschaftlichen Naturgesetze durch Ausdehnung der Arbeits- 
teilung die wirtschaftlichen Leistungen immer mehr gesteigert würden, 
30 hat die Erfahrung bewiesen, daß durchaus eine Grenze vorliegt, 
wo eine Weiterführung der Arbeitsteilung nicht nur keinen erhöhten 
Nutzen, sondern im Gegenteil eine Verringerung der Leistungen und 
sonstige Nachteile in sich schließt, und ferner, daß unter verschie- 
denen Verhältnissen die Wirkung einer weitgehenden Arbeitsteilung 
eine außerordentlich verschiedene ist. Bei der fortgesetzten Aus- 
führung einer einseitigen Arbeit erlahmt schließlich auch die höchst 
ausgebildete Muskelkraft, und die Leistungsfähigkeit wird gehoben, 
wenn zur Abwechslung eine andere Tätigkeit übernommen wird, die 
andere Muskeln anspannt und den zuerst angestrengten Ruhe ver- 
schafft. Der Nagelschmied kann nicht den ganzen Tag in der gleichen 
Weise hämmern, er muß mit einem Gehilfen abwechseln, dazwischen 
Sa 
Nachteile der 
\rbeitsteilung.
	        
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