218 Sechstes Buch. Drittes Kapitel.
selten des Gebrauchs, wie er denn auch nur ausnahmsweise
in anderer als heimischer Tracht daherschritt. Zudem war er,
hierin durchaus verschieden von Karl dem Großen, ohne eigent⸗
liche Bildungsinteressen; die Antike als Lebensideal ist ihm
stets unverstanden geblieben; er begriff sein Kaisertum über—
haupt zunächst nicht universal, sondern nur als Ausdruck
deutscher Überlegenheit über die Nachbarnationen.
Indes lange schon, ehe Otto das kaiserliche Diadem trug,
hatten die Anfänge einer neuen Renaissance an seinem Hofe
Einlaß gefunden, nicht getragen durch den königlichen Herrn,
sondern durch dessen Familie, seine Gemahlin Adelheid, die
Burgunderin, seinen Bruder Brun, den gelehrten späteren Erz⸗
bischof von Köln, in den Jahren 940 bis 953 Kanzler des
Reiches, von den Königstöchtern und auch einem außerehelichen
Sohne Wilhelm, nachmals Erzbischof von Mainz.
Am meisten trug Brun zum Erblühen des neuen Lebens
bei. Waren noch bis zur Mitte des 10. Jahrhunderts latei⸗
nische Grammatiker aus Italien, ein Stephan und Gunzo von
Novara, an die deutschen Kloster- und Stiftsschulen gewandert,
hatten dort auch noch schottische Mönche als Lehrmeister Platz
gefunden: jetzt zog Brun hervorragende Geister aus Italien und
Britannien, den Herden schon der Karlingischen Renaissance, an
den königlichen Hof. Hier trafen sich der Schottenbischof Israel
und Liutprand von Cremona, der schmähsüchtige Geschichts—
schreiber oberitalischen, römischen und byzantinischen Schimpfes
und Ernstes; hier verkehrten Rather von Verona, der deutsch—
italienische Abenteurer, und der mozarabische Bischof Recemund
oon Elvira. Und auch als Brun nach Köln ging, verwaiste
das geistige Leben am Hofe nicht; sein Halbbruder Wilhelm
begünstigte durch höfische Vermittlung nach wie vor die Ge—
schichtsschreibung, und eine neue Pfalzschule verbreitete klassische
Bildung unter dem Nachwuchs der Großen des Landes. Auch
die Kinder der Königsfamilie selbst wurden hier, anscheinend
noch ganz in den Formen des Karlingischen Unterrichts!, zu
Hrotsuit, Paphnutius 2809 ff., und Sapientia 278ff.; vgl. Kö
Hrotsuit S. 208. ff.z vgl. Köpke,