Full text: Urzeit und Mittelalter (Abt. 1)

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Sechstes Buch. Drittes Kapitel. 
Er strebte nach Rom, das Reich zu vollenden. Ein furchtbares 
Schicksal wartete seiner. 
Im langobardischen Unteritalien waren längst Wirren aus— 
zebrochen; ohne schwere Folgen waren sie nur geblieben, weil 
auch Sarazenen und Griechen unter sich uneins waren. Jetzt, 
seit 991, sammelte sich der Islam von neuem, bald darauf 
auch Byzanz; die langobardische Empörung gegen das Reich 
dehnte sich nach Norden zu aus, und der sanguinischen Gewalt⸗ 
thätigkeit des Kaisers gelang es nicht, sie in gütlichem Aus— 
trag zu beschwichtigen. Ehe der Kaiser sich dessen versah, schlug 
der Aufstand in die Campagna, nach Rom über. Otto ward 
in seiner Pfalz auf dem Aventin drei Tage lang belagert: 
am 16. Februar 1001 mußte er heimlich aus Rom, der gol— 
denen Hauptstadt des Imperiums, flüchten. 
Nun stürzte er sich mit fast übermenschlicher Hast auf die 
Regelung der lang vernachläsfigten unteritalischen Dinge. Er 
ging nach Ravenna, ein deutsches Heer zu erwarten; er sandte 
den Mailänder Erzbischof zur Brautwerbung nach Byzanz, zur 
Verbindung der christlichen Weltreiche gegen den Islam; er 
uchte in abenteuerlicher Geheimfahrt nach Venedig die kriegerische 
Meereshilfe der Stadt. 
So ganz Feuer und Thätigkeit, erfährt er von Schwierig— 
keiten in Deutschland: die nationale und deutschkirchliche Partei 
unter Erzbischof Willigis von Mainz sinnt auf Verschwörung; 
langsam, lückenhaft erscheint der deutsche Heerbann in Italien. 
Auch Rom, die teure Stadt, dankt dem Kaiser nicht die un— 
endlichen Wohlthaten; als er nach Süden eilt, begegnen ihm 
die Bürger mit Trotz und Verachtung. 
Diese Schläge brachen das Herz des leidenschaftlichen, 
hochgesinnten Jünglings: Im Begriff, den Kampf mit Rom 
aufzunehmen, ist er am 24. Januar 1002 zu Castel Paterno 
auf dem Soracte verschieden. 
Und nun stand Rom auf; in Vergessenheit starb Papst 
Silvester sechzehn Monate nach seinem kaiserlichen Herrn und 
Genossen; ganz Italien rüstete gegen die deutsche Herrschaft. 
Deutsche Mannen aber trugen mitten durch die Drohungen des 
Aufstandes den Leichnam des letzten Ottonen sichern Schrittes
	        
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