294 Siebentes Buch. Erstes Kapitel.
Burg Bamberg, begründete er das Bistum seines Wunsches.
Schon früh begann er unterhalb der Burg einen Dom von
reichem, etwas barbarischem Schmuck zu erbauen; im Jahre
1007 schenkte er dann der Kirche sein Gut und zahlreiche
Abteien in den umliegenden Gauen. Vollendet ward die Stif—
tung unter langwierigen Kämpfen gegen die Nachbarbischöfe
erst im Jahre 1020.
Inzwischen hatte sich in Bamberg längst das regste geist—
liche, gelehrte und künstlerische Treiben entfaltet. Aufs frei—
gebigste hatte Heinrich die Kirche sofort mit einer Bibliothek
ausgestattet und die Altäre mit jenen kostbaren Prunkhand—
schriften bedacht, deren Miniaturen zu dem Besten gehören, was
uns vom Wesen deutscher Kunst aus diesem Zeitalter überliefert
ist. Auch späterhin pflegte der Kaiser seine Stiftung weiter
im Geiste der ersten Liebe. Ja selbst im Tode wollten er wie
seine Gemahlin dem Stifte und der bald an Stift und Burg
angelehnten Stadt zugehören. Noch heute wird ihr Grabmal
dort gezeigt, nie ist ihr Andenken erloschen, und anders als
sonst eine deutsche Stadt ist Bamberg die Stadt eines Kaisers,
die Stadt des heiligen Heinrich.
II.
Während Heinrich II. die Reform und Umgestaltung der
deutschen Kirche teilweis nach eigenem Plane und bisweilen
ohne Rücksicht auf das kirchliche Recht zu treiben begann, ward
er in den späteren Jahren seiner Regierung immer nachhaltiger
von den geistigen Strömungen berührt, die von Frankreich her,
unter Überholung der deutschen Askese in Lothringen und am
Rhein, die deutschen Köpfe umspülten.
In Frankreich herrschte etwa seit Ausgang des 10. Jahr—
hunderts das asketisch-hierarchische Ideal Clunys1. Während
die deutsche Askese des 10. Jahrhunderts an sich nicht auf Uni⸗
formierung der Geister drängte, sondern nur ein höchstes Lebens—
ideal aufstellte, dessen Forderungen nachzustreben jedem nach
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