Aufschwung des Königtums unter den Staufern. 13858
die Bürger, sondern die See; das Reich habe keine Flotte,
sie zu schützen. Das Genueser Beispiel war bald von schlechter
Wirkung, zumal die deutschen Beamten sich in die Formen
der neuen geldwirtschaftlichen Verwaltung so wenig zu finden
wußten, wie Friedrich selbst, und durch ihr ungeschlachtes,
jeder bureaukratischen Geschäftskenntnis bares Zugreifen sich
die Sympathieen der Bürger entfremdeten. Auch die Städte
des Binnenlandes, Piacenza, Crema, erschienen nicht mehr zu—
verlässig, und vor allem gab es Schwierigkeiten in Mailand. Als
hier Reinald und Otto von Wittelsbach städtische Beamte ein—
fetzen wollten gemäß den roncalischen Beschlüssen, beriefen sich
die Mailänder auf ihren früheren Sondervertrag, der ihnen
die Präsentation selbstgewählter Beamter beim Kaiser zugestanden
habe, empörten sich und trieben die deutschen Kommissare zu
schimpflicher und voreiliger Flucht aus der Stadt. Friedrich
war diesen Vorgängen gegenüber einstweilen wehrlos, da er die
meisten Truppen entlassen hatte; als ihm kriegerische Unterstützung
wiederum in Aussicht stand, verhängte er, am 6. April 1159,
von Neuem die Acht über die Stadt. Damit nicht genug,
ächtete er im Juni auch Crema: mit furchtbarem Grimme
wollte er den Widerstand der Bürger allenthalben unter—
drücken, mit gewaltigen Mitteln begann er die Belagerung
Mailands und Cremas zugleich.
Inzwischen hatte sich auch sein Verhältnis zur Kurie wieder⸗
um verschlechtert. Friedrich war schon vom Lechfelde aus, trotz
der Vermittlung Heinrichs des Löwen, mit der Absicht nach
Italien gezogen, dort seine alten Beschwerden gegen den Papst
weiter zu verfolgen; seine reichen Erfolge in der Lombardei
hatten ihn in diesem Plane ebenso bestärkt, wie der fanatische
Haß Reinalds gegen das Papsttum. Andrerseits hatte Hadrian IV.
die deutsche Machtentfaltung in der Lombardei unter steigenden
Bedenken mit angesehen; schon mochte er sich fragen, ob die
politische Stellung des Papsttums durch eine normannen⸗ und
griechenfreundliche Politik nicht am besten gesichert sei.
Bei dieser Lage genügten geringe Anstöße, den Gegensatz
zwischen Regnum und Sacerdotium von neuem zu entfachen.